Texte in deutscher Erstübersetzung von Shakib Arslan, Gabriel Audisio, Roland Barthes, S. D. Goitein, Taha Hussein und Claude McKay. Weitere Texte von Erich Arend, Karl Eugen Gass, Jean Grenier, Giórgos Seféris, Léopold Sédar Senghor, Giuseppe Ungaretti, Eugen Gottlob Winkler und Marguerite Yourcenar. Die Autoren dieses Bandes reflektieren das Mittelmeer als zentralen Bezugspunkt des europäischen Bewusstseins im Moment einer radikalen Krise, die im Zeichen forcierter Modernisierungen, des Kolonialismus und der Kriege der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufbricht. Als Vorbildkultur taugt ihnen die beschriebene Méditerranée nicht mehr, jedenfalls nicht ungebrochen, und auch nicht mehr als Zentrum einer globalisierten Weltgesellschaft. So verzeichnen sie ein letztes Mal das kulturelle Inventar des Mittelmeers und lösen sich, jeweils auf spezifische Art, von der Vorstellung einer im Süden als Norm zu gewinnenden Klassizität und Humanität.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2015
Wie die literarische Moderne das Mittelmeer als Krisenregion entdeckte, erfährt Lothar Müller aus diesem von Franck Hofmann und Markus Messling herausgegebenen Band mit Essays, Erzählungen und Gedichten. Vor allem die große Menge an Erstübersetzungen, z. B. von Gedichten von Giuseppe Ungaretti und Erich Arendt, in denen das Mittelmeer der Gegenwart erfunden wird, wie Müller schreibt, Auszüge aus Claude McKays Roman "Banjo" oder ein Essay von Roland Barthes über seine Griechenlandreise 1938, nimmt den Rezensenten für den Band ein. Die Idee hinter dem Sammelband, der Abschied vom mare nostrum in der literarischen Moderne, leuchtet Müller ein. Und das neue Krisenbewusstsein wird ihm offenbar, etwa in den Texten über die Rivalität von Judentum, Christentum und Islam im Mittelmeerraum.
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