Uwe Schulte-Varenhoff

Kolonialheld für Kaiser und Führer

General Lettow-Vorbeck. Eine Biografie
Cover: Kolonialheld für Kaiser und Führer
Ch. Links Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783861534129
Kartoniert, 217 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Bis heute umgibt den hoch dekorierten Soldaten des Ersten Weltkrieges der Mythos des unbesiegten, ritterlich kämpfenden und genialen Generals, der mit seinen "treuen" Askari einer gewaltigen Übermacht getrotzt hat und das deutsche Kolonialreich tapfer verteidigte. Dazu trug nicht zuletzt sein Erinnerungsband "Heia Safari!" bei. Die Bundeswehr benannte nach ihm Kasernen, in zahlreichen westdeutschen Städten tragen Straßen noch den Namen Lettow-Vorbeck. Doch sein brutales und skrupelloses Vorgehen gegen die Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) und seine grausame Kriegsführung in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) werden dabei ebenso ausgeblendet wie seine Beteiligung am reaktionären Kapp-Putsch 1920 in Deutschland und seine Unterstützung der Nationalsozialisten. Hitler diente er als begeisterter Kolonialpropagandist. Uwe Schulte-Varendorff hat über Jahre die Akten des Reichskolonialamtes, der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Reichsjustizministeriums, des Reichsministeriums des Innern, der Reichskanzlei und des Reichslandbundes ausgewertet, um auf neuer Quellengrundlage eine umfassende kritische Biografie vorzulegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2007

Überzeugend findet Jürgen Zimmerer dieses Buch über General Paul von Lettow-Vorbeck, das Uwe Schulte-Varendorff vorgelegt hat. Es schließt seiner Ansicht nach eine Lücke in der deutschen Kolonialgeschichtsschreibung. Zimmerer betrachtet Lettow-Vorbeck, der während des Ersten Weltkriegs in Ostafrika für Tod von Millionen Menschen verantwortlich war, als einen der "größten Kriegsverbrecher in der deutschen Geschichte". Dessen ungeachtet genoss der General nicht nur im Dritten Reich hohes Ansehen, sondern auch in der Bundesrepublik, wo zahlreiche Bundeswehr-Kasernen nach ihm benannt wurden. Um so dankbarer ist Zimmerer dem Autor dafür, die Mythen um Lettow-Vorbeck aufzulösen. Deutlich wird für ihn der rücksichtslose militärische Ehrgeiz des als Kriegshelden gefeierten Generals, sein Rassismus und Nationalismus, seine Verinnerlichung des Führerprinzips. Allerdings hätte er gern mehr über die Rolle des Generals im Dritten Reich erfahren. Der Feststellung des Autors, es gebe nichts an Lettow-Vorbeck, das "heute noch verehrungswürdig" sei, kann er uneingeschränkt zustimmen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2007

Als längst fällig, materialreich und sachlich lobt Rezensent Andreas Eckert diese Biografie des deutschen Kolonialhelden Paul von Lettow-Vorbeck. Nach Lektüre der Studie des Osnabrücker Historikers scheint dem Rezensenten dieses Heldenprädikat jedoch ziemlich zweifelhaft geworden, und von Lettow-Vorbeck insgesamt als Namenspatron für Kasernen demokratischer Armeen untauglich zu sein, wo sein Name bis heute zählt. Auf der Grundlage eines "reichen Quellenfundus" und fundierter Recherche zeichne Uwe Schulte-Varendorff Lebensweg und Schlachten dieses Mannes nach, belege, dass von Lettow-Vorbeck nicht nur ein äußerst brutaler Dienst- und Feldherr, sondern ein strammer Antisemit gewesen sei, der sich auch vor den Nazi-Karren habe spannen lassen.

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