Nachwort von Erich A. Frey. Filmografie von Stefan Drößler sowie eine Bibliographie. Mit Abbildungen. "Paris, 1. Januar - Um die Mitternachtsstunde des Silvesterabends erzählte ich eine Anekdote. Ilse und ihr Mann waren da. Man lachte Tränen, es war Punkt zwölf, und man lachte weiter. 'Ein gutes Zeichen.' - Ich habe immer noch dieses Gelächter im Ohr. Es wird einen gespenstischen Widerhall haben. - Wir schreiben 1940 ..." So beginnt Jan Lustigs Tagebuch seiner Flucht aus Frankreich über Spanien und Portugal in die USA. Lustig arbeitete damals als Autor für den Regisseur Marc Allegret. Sein Tagebuch beschreibt die Entbehrungen einer Zeit, in der das Leben von Stempeln abhing. Das Buch setzt sich mosaikartig aus bildhaften Szenen zusammen. Lustig hat kurz vor seinem Tod noch an dem Text gearbeitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2002
Im Verlauf des Jahres 1940, das Jan Lustig in seinem Tagebuch festhält, bemerkt Rezensent Alexander Bartl einen deutlichen Umschwung des Tonfalls. Ist der Jahresanfang in Paris noch in "beschwingten Feuilletons" festgehalten, so werden die Einträge mit dem Näherrücken der Nazis immer gehetzter und verzweifelter, so der Rezensent mitfühlend. Dennoch verliere die Sprache Lustigs nie ihren Glanz wie von "feinem Silberbesteck", meint er beeindruckt. Besonders fasziniert haben Bartl die Schilderungen aus Portugal, von wo aus Lustig schließlich die Flucht nach Amerika gelang. Der Rezensent ist erschüttert von der Beschreibung des Schicksals der Flüchtlinge, die sich um ein Visum nach Amerika bemühen, wobei "stabile Ellbogen mehr als umfassende Bildung" nutzten, wie der Autor feststellen muss.
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