Ein Rechtsanwalt aus Berlin, der fern der Heimat eine deutschsprachige Radiosendung gründet, ein junger Mediziner mit musikalischer Ausbildung, der den Chorgesang populär macht, ein kleiner Junge, der von Indianern und Krokodilen träumt und später Regisseur wird, eine junge Frau mit Kind und einem blinden Ehemann, die auf dem Land ein Hotel eröffnet und Gedichte schreibt - sie und etwa 10.000 andere fanden als von den Nazis verfolgte Juden Zuflucht in Uruguay. Das Buch zeichnet das Schicksal der Emigranten nach und zeigt, in welchem Ausmaß sie in NS-Deutschland ausgeplündert und entrechtet wurden; wie schwierig es unter diesen Bedingungen war, Deutschland zu verlassen, ein Aufnahmeland zu finden und die Ausreise zu organisieren.
Lebendig geschrieben findet Knut Henkel Sonja Wegners Dissertation. Vor den Augen des Rezensenten spielen sich dramatische Szenen ab: Den Brüdern Hirschfeld gelingt mit Hilfe der Geliebten des Konsuls von Uruguay in Hamburg in letzter Minute die Ausreise aus Nazideutschland. Dass die Historikerin für ihre Arbeit über die beinahe vergessene Geschichte des jüdischen Exils 1933-1945 in Uruguay Passagierlisten, jüdische Gemeindeblätter und Gestapo-Akten sorgsam ausgewertet hat, merkt Henkel dem Text an. Die letzten Zeugen dieser Zeit kommen zu Wort, schreibt Henkel, dankbar darüber, dass ihre Geschichte nun dokumentiert ist.
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