Thomas Kirchner

Der epische Held

Historienmalerei und Kunstpolitik im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Habilitations-Schrift
Cover: Der epische Held
Wilhelm Fink Verlag, München 2002
ISBN 9783770533978
Gebunden, 528 Seiten, 94,80 EUR

Klappentext

Mit 111 Abbildungen im Text und zehn ausklappbaren Bildtafeln. Das Niveau der französischen Kunst war zu Beginn des 17. Jahrhunderts recht niedrig. Das sollte sich ändern, als ein sich langsam etablierendes absolutistisches System immer mehr nach einer Repräsentation verlangte, die sich bewusst absetzte von früheren Formen der politischen Selbstdarstellung. Nur eine hochwertige Kunst schien geeignet, das neue politische Selbstverständnis adäquat zum Ausdruck zu bringen. Die Politik hielt die Historienmalerei für besonders geeignet, ihre Vorstellungen zu versinnbildlichen, und auch der Kunst galt sie als der Höhepunkt ihrer Bemühungen. Die erst durch das Zusammengehen mit der Politik mögliche Aufwertung der Kunst bildete die Grundlage für die Entwicklung einer modernen Idee vom Kunstwerk, die im 18. Jahrhundert zum Thema werden sollte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.08.2002

Alles in allem zeigt sich Valeska von Rosen sehr angetan von der Studie über französische Kunstpolitik des 17. Jahrhunderts. Die Rezensentin bemerkt, dass der Autor sich mit seinen Ausführungen von der herrschenden Forschung "partiell distanziert", indem er die Hauptbetonung des Begriffs "Kunstpolitik" auf die Kunst legt. Sie lobt, dass Kirchner mittels der Auswertung der französischen Kunsttheorie des 17. Jahrhunderts "anschaulich rekonstruiert", dass die Indienstnahme der Kunst durch den Herrscher ein "kontroverser Prozess" und also keinesfalls "linear" war. Auch die Ausführungen zum Alexander-Zyklus von Charles Le Brun findet die Rezensentin sehr "überzeugend", insbesondere die Überlegungen Kirchners, warum dieser Bildzyklus nur für den Louvre geplant war, auch wenn Ludwig XIV. den Plan später aufgegeben hat. Insgesamt preist Rosen den Band für seine "plausible" Darstellung und ist sich sicher, dass er seinen "verdienten Platz" in der Kunstgeschichte bekommen wird. Kritik hat sie allerdings auch anzumerken: Die Terminologie findet sie nicht immer "überzeugend", insbesondere die strenge Trennung der Begriffe "Kunst" und "Inhalt" kann sie nicht recht nachvollziehen. Doch kann dies ihr Urteil über das Buch als "grundlegende Arbeit zur französischen Kunstpolitik" nicht mehr ins Wanken bringen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2002

Im Zentrum von Thomas Kirchners groß angelegter Studie steht die Analyse des großen, unvollendet gebliebenen Gemäldezyklus', mit dem - durch die Darstellung der Taten Alexanders des Großen - Charles Le Brun seinem Herrscher Ludwig XIV. huldigte. Die Vorgeschichte der Historienmalerei, die Kirchner schildert, lässt er auf dieses Werk zulaufen und setzt es in Beziehung zum heroischen Epos der Antike, also zu Fragen der literarischen Poetik wie der, ob die Tragödie oder das Epos höher zu schätzen seien. Der Dichtung nahe steht die Historienmalerei nicht zuletzt in der Forderung nach der Verallgemeinerbarkeit des Gezeigten, nach "moralphilosophischer Reflexion", wie es der Rezensent Michael Thimann formuliert. Bei der modernen Schlachtenmalerei war genau das jedoch, wie Kirchner zeigt, schwierig geworden: zeitgenössische Schlachten mussten "modern gezeigt werden". Dies ist, so das Fazit Michael Thimanns, ein "bedeutendes" Buch, das den "internationalen Vergleich" nicht scheuen muss.
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