Aus dem Serbischen von Hans Thurn, überarbeitet von Katharina Wolf-Griesshaber. Mit einem Nachwort von Karl-Markus Gauß. Napoleon steht auf der Höhe seiner Macht. Bosnien, wie fast der ganze Balkan, gehört zum Osmanischen Reich - und in der kleinen bosnischen Stadt Travnik residiert ein Wesir des Sultans. Die Zeit zwischen 1806 und 1813 wird von ihren Einwohnern jedoch "Jahre der Konsuln" genannt: Die Stadt mit ihrem Völkergemisch gerät zum Schauplatz internationaler Diplomatie, als ein französischer und ein österreichischer Konsul hierher entsandt werden. Sie werben gegeneinander um die Gunst des Wesirs, halten es letztlich aber nur miteinander aus. In diesem 1942 vollendeten Roman, der nun in überarbeiteter Übersetzung vorliegt, hat der Nobelpreisträger Ivo Andric aus seiner Heimatstadt eine zeitlose Bühne der Welt geschaffen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2017
Laut Andreas Breitenstein kann niemand vom Aufstieg, Glanz, Elend und Untergang der osmanischen Herrschaft in Bosnien so gekonnt erzählen wie Ivo Andric. Der vorliegende letzte Teil von Andrics 1945 veröffentlichter monumentaler Bosnien Trilogie in "aufgefrischter" Übersetzung besticht für Breitenstein durch grausame Schilderungen osmanischer Despotie wie durch akribisch recherchierte historische Fakten. Genial findet der Rezensent, wie der Autor mit nüchternem Pathos und zugleich ironisch aus kollektiver bosnischer Perspektive erzählt, Großes mit Kleinem, Tragik und Komik, Erhabenes und Groteskes mischt. Weltgeschichte und Privates, Orient und Okzident konfrontiert der Roman, so Breitenstein, und der Autor beschreibt Menschen und Milieus meisterhaft, lebensprall und mit detailverliebter Lust.
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