Dilek Zaptçýodlu und Jürgen Gottschlich spüren Veränderungen in den deutschen und den türkischen Leitkulturen nach. Worin unterscheiden sich die Türken von den Deutschen? Wo überschneiden sich Wertvorstellungen? Dilek Zaptçýodlu und Jürgen Gottschlich konfrontieren den Leser mit Vorurteilen und Stereotypen von Türken und Deutschen. Sie berichten, worin Meinungsforscher, Soziologen und Psychologen die Unterschiede zwischen deutschen und türkischen Werten sehen, und analysieren den Wertewandel in beiden Gesellschaften. Das "Kreuz mit den Werten" wird besonders deutlich, wenn sie die innergesellschaftliche Konfliktlinie oder zeitversetzte Modernisierungsschübe betrachten. Bei allen Differenzen in Sachen Emanzipation, Familie, Religion oder Zivilgesellschaft finden sie dennoch Gemeinsamkeiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.02.2006
Die Debatten zum Thema Islam nicht als Schlagabtausch, sondern auf "sachlicher und informierter Basis" zu führen, hält Rezensentin Antje Schrupp für überaus wichtig. Besonders hilfreich erscheint ihr da der vorliegende Band über "deutsche und türkische Leitkulturen" von Jürgen Gottschlich und Dilek Zaptçioglu. Das Buch versammelt neben Hintergrundwissen über Geschichte, Rechtslage und Kulturtraditionen auch zahlreiche Reportagen, etwa über die Geschichte der Frauenemanzipation in der Türkei, über das Schulwesen oder über verschiedene Bürgerinitiativen in Istanbul. Dass deutsche und türkische "Werte" vielleicht gar nicht so unüberbrückbar weit auseinander liegen, wie oft suggeriert wird, verdeutlicht für Schrupp Gottschlichs und Zaptçioglus historischer Exkurs über außerehelichen Sex, der auch in Deutschland noch vor gut drei Jahrzehnten strafbar war. Mit den Autoren ist sie sich jedenfalls einig, dass es in eine Sackgasse führt, ausschließlich die islamischen Richtlinien zu problematisieren, "die eigenen, westlich christlichen jedoch nicht eigens zu thematisieren, sondern gewissermaßen als selbstverständlich vorauszusetzen".
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