Ingrid Richter

Katholizismus und Eugenik in der Weimarer Republik und im Dritten Reich

Zwischen Sittlichkeitsreform und Rassenhygiene
Cover: Katholizismus und Eugenik in der Weimarer Republik und im Dritten Reich
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2001
ISBN 9783506799937
Gebunden, 572 Seiten, 51,60 EUR

Klappentext

Mit 2 Tabellen und 3 Grafiken im Text. Dissertation. Die Verfasserin rekonstruiert die katholischen Debatte über die zeitgenössisch als modern geltende Wissenschaft der Eugenik vom Ende des Kaiserreichs bis zur "Euthanasie" im Dritten Reich. Sie weist nach, daß das Spektrum der Positionen zur "positiven" und "negativen" Eugenik größer war als bisher im Blick auf tradionelle naturrechtliche Grenzen und die päpstliche Eheenzyklika "Casti connubii" (1930) angenommen wurde. Die Studie ordnet die katholische Positionen in den die politischen Lager der Weimarer Republik übergreifenden Diskurs ein und arbeitet eine prinzipielle Unterscheidung zwischen Weimarer Eugenik und NS-Rassenhygiene heraus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.06.2002

Dass die Eugenik in Deutschland eindeutig in die nationalsozialistische Rassenpolitik, "zu Zwangssterilisationen und Euthanasie" führte, ist für die Autorin Ingrid Richter eine "voreilige inhaltliche Verknüpfung", die die Sicht auf die "pluralistische Entwicklung der deutschen Eugenik" verstellt, schreibt Rezensent Tillmann Bendikowski. So zeige Richter zum Beispiel, dass auch die katholische Kirche durchaus an der öffentlichen Eugenik-Diskussion mitgewirkt und sich sogar von den eugenischen Perspektiven sehr angetan gezeigt habe. Tatsächlich habe es nach dem Ersten Weltkrieg in Bevölkerungsfragen neben einem quantitativen auch einen qualitativen Regenerationswunsch gegeben. Sogar die päpstliche Enzyklika aus dem Jahr 1931 habe zwar radikale eugenische Maßnahmen wie die Zwangssterilisation verboten, habe sich jedoch sich hinsichtlich "weicher" Maßnahmen bedeckt gehalten und daher eher die Diskussion angefacht als beendet. Einheitlichkeit im katholischen Diskurs sei erst 1933 aufgekommen. Laut Rezensent arbeitet Richter jedoch heraus, dass die katholische Kirche lediglich die Wege der NS-Eugenik ablehnte, nicht aber das Ziel. Also kein gutes Zeugnis, das die Autorin der katholischen Eugenik ausstellt, so der Rezensent. Auch wenn das Buch, das auf Richters Promotionsarbeit basiert, "erzählerisch unspektakulär" sei und noch ein bisschen straffer hätte sein können, lobt der Rezensent doch den großen Verdienst der Autorin, die jenseits der überlieferten Eindeutigkeit den ursprünglichen Facettenreichtum der Diskussion hat aufleben lassen. Warum damit allerdings die "enge interpretatorische Verknüpfung von Eugenik und NS-Euthanasie" in Frage gestellt wird, will dem Rezensenten nicht recht einleuchten.

Beliebte Bücher

Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…