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Imre Kertesz

Die exilierte Sprache

Essays und Reden
Cover: Die exilierte Sprache
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518414491
Gebunden, 257 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von György Buda, Geza Dereky, Krisztina Koenen und anderen. Mit einem Vorwort von Peter Nadasz. Bald nach der europäischen Wende, nachdem sein erzählerisches Werk endlich die erste Würdigung erfahren hatte, begann Kertesz, sich auch in der Form von Reden und Essays zur ethischen und kulturellen Bedeutung des Holocaust zu äußern. "Die Unvergänglichkeit der Lager", "Der Holocaust als Kultur" sind programmatisch seine ersten "theoretischen", in Wahrheit jedoch ganz von der Erfahrung des Überlebenden, Zeugen und Wächters inspirierten Texte überschrieben. Kertesz, der Nietzsche- und Wittgenstein-Übersetzer, tritt uns in ihnen mit der gleichen Radikalität und gnadenlosen Logik entgegen, die sein Romanwerk so beispiellos erscheinen lässt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2003

Die nun auf deutsch vorliegenden "Essays und Reden" des Holocaust-Überlebenden und Literaturnobelpreisträgern Imre Kertesz haben Rezensent Ulrich M. Schmid tief beeindruckt. Wie Schmid ausführt, wendet sich Kertesz "vehement" gegen die Auffassung, der Holocaust stelle nur eine "Panne" in der Geschichte der abendländischen Zivilisation dar. Wenn man daraus überhaupt eine Lehre ziehen könne, referiert Schmid den Autor, dann die, dass der Holocaust eine Möglichkeit der menschlichen Kultur ist - nicht mehr und nicht weniger. Schmid hebt hervor, wie es Kertesz angesichts dieser "ebenso simplen wie erschütternden" Erkenntnis gelang, sein Überleben zu überleben: weder durch Vergessen noch durch Verzeihen, sondern durch die "Neuerschaffung des Augenblicks im Kunstwerk". Gerade wegen seiner Undarstellbarkeit sei der Holocaust für Kertesz das "künstlerische Thema par excellence", erklärt Schmid. Als Quintessenz von Kertesz' "eminentem Werk" sieht er eine "unangenehme Wahrheit": "Der Holocaust wird nicht einfach als jüdische Katastrophe, sondern zuallererst als Trauma der abendländischen Kultur lesbar."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Nicht die Geschichte ist unbegreiflich, zitiert Franziska Augstein Imre Kertész, sondern "wir begreifen uns selbst nicht". Sein Menschenbild ist durch und durch schwarz, schreibt Augstein über den ungarischen Schriftsteller und Nobelpreisträger, der zwei Diktaturen und Lagerhaft erfahren musste. Anders als Jean Améry oder Primo Levi, die aus dem KZ in freiere Gesellschaften entlassen wurden, baute Kertész erst gar keine Hoffnungen auf, so dass er auch nicht besonders enttäuscht werden konnte. Statt dessen begab er sich in jenen Zustand der existenziellen Ironie, den Augstein für Kertész typisch findet: das "Einverständnis mit der eigenen Erniedrigung", eine Art Unterwerfung unter das eigene Schicksal. Denn was im nachhinein, nach einem Systemwechsel, als unbegreiflich erscheine, nämlich das eigene Verhalten, kehrt Augstein auf Kertész zurück, habe dieser in der Vergangenheit sehr wohl begreifen müssen. Das sei Kertesz' Preis fürs Überleben gewesen. Kertész' Essays lassen sich sehr gut lesen, empfiehlt Augstein ihre Lektüre, sie handelten von allem - von der Lagerzeit, von Budapest, von der Literatur, von der Politik auch Auflösung des Ostblocks - und vor allem immer von der Wahrheit.
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