György Konrad

Glück

Roman
Cover: Glück
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518414453
Gebunden, 156 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke. Schon einmal nahm György Konrad das Ereignis der "Heimkehr" am Ende des Kriegs zum Anlass, sich an jene Zeit zu erinnern. Es war der 18. Januar 1945, doch was er erinnerte, war nicht genug. Je mehr Zeit vergeht, um so deutlicher, vollzähliger werden die Bilder. György Konrad ruft sie ab, nicht nur die der Rückkehr, auch die der Abreise, nicht nur die der Schrecken, auch die des Glücks.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2003

Wolfgang Schneider ist von diesem Buch, in dem der 1933 geborenen ungarischen Autors seine Kindheitserlebnisse erzählt, sehr beeindruckt. Ihm gefällt, dass György Konrad einerseits lakonisch von den "mörderischen Ereignissen" berichtet, die mit den Nazis in sein Leben eindringen und andererseits "beglückende Details" aus seiner Kindheit berichtet, die auch die Leser in den Bann ziehen. Was seine Erinnerungen von anderen Rückblicken unterscheidet, ist die tödliche Bedrohung, die von der ersten Seite an seine Kindheit überschattet, so der Rezensent. Dies verleihe insbesondere der Schilderung des Alltagslebens seine "schmerzliche Schönheit", meint Schneider. Er preist Konrad als einen engagierten und couragierten Kämpfer gegen die "Diktatoren dieser Welt", der trotzdem dabei ein "bedeutender Schriftsteller" bleibt, der sich seinen "literarischen Feinsinn" bewahrt. Dies sieht der Rezensent in diesem Buch wieder einmal "eindrucksvoll" bewiesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.07.2003

"Glück" ist weniger ein Roman als eine "nicht allzu fiktive Autobiografie", findet Hans-Peter Kunisch. György Konrad erzähle darin, wie er den Nazis entkam: Einen Tag vor der Deportation der jüdischen Kinder aus dem ungarischen Dorf Berettyoujfalu folgte er einer Einladung seines Onkels nach Budapest, erzählt Kunisch. Auch in Budapest habe dann kurz vor Kriegsende die Judenhetze begonnen. Sein literarisches Können beweist Konrad, wenn er mit Sarkasmus die brutale Gewalt beschreibt, lobt unser Rezensent und zitiert folgende Stelle: "Die Donau, auf der Eisschollen stromabwärts trieben, mit alten Frauen und kleinen Mädchen vollzuschießen, war eine Kunst der Verzierung, deren Zauber nicht ewig anhielt." Bei so vielen einprägsamen Bildern stört Konrads "leichter Hang zur memoirenhaften Aufschneiderei" nicht, fügt Kunisch milde hinzu.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2003

Bevor er sich dem Roman "Glück" zuwendet, schenkt Andreas Breitenstein dem großen "Brückenbauer" György Konrad zum 70. Geburtstag eine Hymne auf sein Lebenswerk als Romancier und Essayist. Oft habe dieser die Nebel der "Meinungsgetümmel" gelüftet und Klarheit gebracht - mit "skeptischem historischem Bewusstsein", sowie "großer persönlicher Erfahrung und hoher moralischer Eindringlichkeit". Ein gewichtige Stimme der Zivilgesellschaft sei Konrad, dessen Romane zumeist ungarische Zeitgeschichte spiegelten. In "Glück" nun habe er mit harter Unverstelltheit sein eigenes Entrinnen vor dem Holocaust zum Thema gemacht: Das Buch erzählt von einer ursprünglichen "Heimatidylle", von der das überlebende Kind nach dem Krieg zutiefst entfremdet ist. Breitenstein hat "Glück" vor allem als "Dokument des Überlebens" gelesen, als "intime Konfession" Konrads, der an den furchtbaren Ausgangspunkt seines schriftstellerischen Schaffens zurückkehre.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Offenbar auf Einladung der ungarischen Regierung ist György Konrad zur Jahrtausendwende in sein Heimatdorf Berettyoujfalu gereist, aus dem man ihn und seine jüdische Familie einst vertrieben hatte. "Zum Glück", schreibt Rezensent Ulrich Baron, denn durch die Denunziation ist die Familie an die Gestapo ausgeliefert worden und entging der Deportation der übrigen jüdischen Bewohner nach Auschwitz. Aus dieser Reise ist nun der Band "Glück" entstanden, eine literarische Beschwörung der Vergangenheit, die allerdings mehr als nur eine "Verkettung von gnädigen Zufällen" zurückrufen will, wie Baron schreibt. Der Rezensent lobt in seinen kurzen Bemerkungen zu dem Buch die feinfühlige Übersetzung von Hans-Henning Paetzke, hält sich im übrigen aber mit Urteilen zurück, bedauerlicherweise manchmal auch mit präzisen Angaben.
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