Herausgeben von Ernst Teubner. Selten hat ein Autor so gegensätzliche weltanschauliche und künstlerische Positionen in sich vereinigt wie Hugo Ball (1886-1927). Begonnen hat er als dissertierender Nietzsche-Adept, wechselte aber ohne akademischen Abschluß zum Theater. Es folgte eine Phase als expressionistischer Bohème-Literat, die mit dem Ersten Weltkrieg ein jähes Ende fand. Ball meldete sich vergeblich als Freiwilliger und fuhr als journalistischer Beobachter an die Front. Bald zum Kriegsgegner geworden, emigrierte er im Frühjahr 1915 nach Zürich. Ohne die Weltlage aus den Augen zu verlieren, gründete er ein eigenes Cabaret und erfand den Dadaismus. Als dieser Karriere zu machen begann, war Ball schon wieder anderswo: bei der Redaktion einer republikanischen Zeitung, die demokratische Verhältnisse in Deutschland forderte. Die Revolution von 1918 enttäuschte ihn jedoch - Ball wandte sich der Religion zu und wurde zum bekennenden asketisch orientierten Katholiken.
Wie war all dies zu vereinen und zu erklären? Ball trug über mehrere Jahre den Plan eines autobiografischen Buchs mit sich herum. Daraus erwuchs schließlich "Die Flucht aus der Zeit", erschienen 1927, kurz vor seinem frühen Tod. In diesem Werk zeichnet Ball seine Entwicklung in zahlreichen Notaten, kurzen Aufzeichnungen und Reflexionen nach.
Oliver Pfohlmann liest Hugo Balls erstmals 1927 erschienenes Werk mit
gebotener Vorsicht. Wie die Herausgeber Eckhard Faul und Bernd Wacker
ihm dankenswerter Weise in ihrem kenntnisreichen und spannenden Anhang
vermitteln können, sind Balls persönliche, ästhetische, politische,
verrückte Notate aus den Jahren 1913-1921, die den Autor als Kritiker,
Bohemien, Avantgardisten und Schmerzensmann zeigen, obskure
Bekehrungsgeschichte und Zeitdiagnose, aber nicht zuletzt auch Fiktion.
Die kritische Edition hält Pfohlmann für einen Meilenstein, auch wenn
nicht alle Fragen zum Text beantwortet werden können.
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