Durch die Entwicklung von medizinischen und biomedizinischen Untersuchungsmethoden werden immer mehr erblich bedingte Krankheiten und Behinderungen erkennbar. Besondere ethische Probleme werfen dabei die Tests im Kontext der Fortpflanzungsmedizin und Schwangerenvorsorge auf. Auf der Grundlage einer Ethik der Menschenrechte und der Ethik des guten Lebens legt Hille Haker eine ethische Argumentation vor, die einerseits die Kontexte der Fortpflanzungsmedizin in ihrer gesellschaftlichen Relevanz berücksichtigt, andererseits aber die normativen Ansprüche der verschiedenen beteiligten und betroffenen Akteure angemessen zu berücksichtigen sucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2002
Hille Hakers Studie ist eine philosophische Untersuchung über die ethischen Probleme der modernen Reproduktionsmedizin. Durch das hohe Reflexionsniveau macht sie auf den ersten Blick schon deutlich, so der Rezensent Stephan Rixen, wie unbegründet und "bodenlos" alle Hoffnung auf die rein verfassungsjuristische Lösung der Probleme ist. Auch wenn Rixen nicht mit allem einverstanden ist: dass die Autorin die Kunst der "feinen Unterscheidungen" beherrscht, steht für ihn außer Zweifel. Die grundlegende Annahme Hakers ist die der entschiedenen Differenz von Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik - letztere scheint ihr nach ausführlicher Abwägung möglicher Konstellationen ethisch nicht zu rechtfertigen. Man wird ihr dabei nur folgen können, wendet der Rezensent ein, wenn man ihre Prämissen - zwischen "moderatem Feminismus" und Michel Foucault - teile. Einwände dieser Art hindern Rixen jedoch nicht am insgesamt überaus positiven Urteil: Haker demonstriere ihre "souveräne Kenntnis" der Debattenlage, "gut lesbar" sei das Buch überdies.
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