Andreas Kuhlmann

Politik des Lebens, Politik des Sterbens

Biomedizin in der liberalen Demokratie
Cover: Politik des Lebens, Politik des Sterbens
Alexander Fest Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783828601208
Gebunden, 240 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Der Fortschritt der Biomedizin hat den Umgang mit der menschlichen Physis grundlegend verändert. Nichts zeigt dies deutlicher als die Auswirkungen der neuen Reproduktionsmedizin. Gut zwanzig Jahre nach der ersten erfolgreichen Laborbefruchtung ist, was Zeugung und Elternschaft anlangt, buchstäblich nichts mehr so, wie es einmal war. Aber auch lntensivmedizin und Transplantationschirurgie, Gendiagnostik und Gentherapie bewirken, dass Lebensbeginn, Lebensende und Lebensverläufe in einem ganz anderen Licht erscheinen. Andreas Kuhlmann zeigt, dass jede Politik, die medizinische Neuerungen zu regulieren sucht, verschiedene moralische Prinzipien berücksichtigen muss. Sie muss aber ebenso mit den Hoffnungen und Ängsten rechnen, die diesen Veränderungen seitens der Bevölkerung entgegengebracht werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2001

Achim Bahnen zeigt sich geteilter Meinung über dieses Buch. Zwar findet er es "gut, streckenweise sogar sehr gut", doch andererseits bleibt es hinter seinen Erwartungen zurück. Gut gefällt ihm, dass Kuhlmann dem Thema - anders als die radikalen Kritiker oder Forschungsbegeisterten - mit einem "hohen Maß an reflektiertem common sense" begegnet. Doch führt dies nach Bahnen letztlich auch dazu, dass der Autor selbst zu einem Teilnehmer der Debatte wird. Dies ist also - so der Rezensent - weniger ein Buch ÜBER die biopolitische Debatte, als vielmehr ein weiterer Beitrag ZU dieser. Bahnen erläutert in seiner Rezension einige von Kuhlmanns Standpunkten, etwa zur Sterbehilfe bzw. Euthanasie oder auch zur Präimplantationsdiagnostik genauer. Bei letzterer vertritt der Autor, wie der Leser erfährt, den Standpunkt, dass die Präimplantationdiagnostik durchaus auch ein Zeichen von besonderem Verantwortungsgefühl der Eltern sein kann. Bahnen bemängelt dabei, dass Kuhlmann mit keinem Wort darauf eingeht, dass auch der Verzicht auf ein möglicherweise erbkrankes Kind eine Alternative wäre. Insgesamt diagnostiziert Bahnen bei Kuhlmann eine liberale, "utilitaristische" Einstellung. Das findet der Rezensent zwar "legitim", doch hätte er sich bei dem ein oder anderen Aspekt doch eingehendere Begründungen gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.05.2001

Insgesamt ein aufschlussreiches Buch zu Fragen, bei denen man sich nicht in aller Schnelle eine Meinung bilden könne, fasst Werner Bartens die Eindrücke seiner Lektüre zusammen. Damit erklärt er sich auch, dass Kuhlmann, der ausgesprochen sachlich und verständlich die meisten Fragen und Positionen zur Biomedizin darstelle und gründlich abwäge, an zwei Punkten gewissermaßen aus dem Wort und aus der Rolle fällt. So polemisiere er vehement gegen den Umgang mit Teil- und Ganzhirntoten zum Zweck der Organtransplantation, wohingegen er offensiv für die Forschung mit embryonalen Stammzellen eintrete. Das Embryonenschutzgesetz sieht der Autor als restriktiv an, berichtet Bartens. Der Rezensent zeigt sich zwar überrascht von der plötzlichen Heftigkeit der Worte und Argumente, schreibt dies aber dem allgemeinen Meinungskollaps in Sachen Biomedizin zu. Ansonsten bringe der Autor viele strittige Positionen auf den Punkt, lobt Bartens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2001

Biomedizin lässt sich nicht unter reinen Nutzaspekten bewerten, sondern betrifft das kulturelle und moralische Selbstverständnis von liberalen Gesellschaften, die den Glauben an individuelle Freiheit verinnerlicht haben, schreibt Ludger Heidbrink. Andreas Kuhlmanns Buch hält er für einen wichtigen Beitrag zu dieser Debatte. Einfache Antworten auf eine Vielzahl von relevanten Fragen gebe der Autor nicht, informiert der Rezensent. Weder würde hier ein weltanschauliches noch ein philosophisches Programm vorgestellt. Kuhlmann erörtere mit klaren Blick die vielfältigen sozialen, rechtlichen, medizinischen, historischen und moralischen Widersprüche, die mit der Biomedizin verbunden sind. Und damit trifft er für Heidbrink ins Nervenzentrum der biopolitischen Diskussion. Nicht parteiergreifend, sondern, so der Rezensent, umsichtig und mit jeder Menge Diskussionsstoff.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Wie man sich auch in Fragen der Biomedizin entscheidet, man sollte auf jeden Fall nach Meinung der Rezensentin Elisabeth von Thadden zuvor das Buch von Andreas Kuhlmann gelesen haben. Zwar befürwortet die Rezensentin im Gegensatz zum Autor eine eher präventiv verbietende Haltung im Streit um genetische Eingriffe, dennoch bietet nach ihrer Aussage das Buch für alle Seiten Argumente, da der Autor auf dem neuesten Stand der Forschung immer bemüht ist, auch sämtliche Gegenargumente aufzuführen. Eine absolutes Plus und die "seltene Stärke" dieses Buches, die es auch "spannend" zu lesen macht, so die Rezensentin. Wäre da nicht ein gewisser theoretischer Mangel, der der Anschaulichkeit zuliebe auf ausführlichere Begriffsbildungen verzichtet, wodurch zeitweise "das Faktische mit dem Wünschbaren und dem Notwendigen" vermischt wird. Ein Mangel jedoch, der eher als Warnung an den Leser zu verstehen ist und keineswegs an der uneingeschränkten abschließenden Leseempfehlung der Rezensentin etwas ändert.
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