Henning Albrecht

Horst Janssen

Ein Leben
Cover: Horst Janssen
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016
ISBN 9783498000912
Gebunden, 720 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

"Er hinterlässt ein so gewaltiges und bizarres, auch wortgewaltiges Oeuvre, dass zwei Leben zu je 65 Jahren dazu kaum ausgereicht hätten", schreibt Rudolf Augstein, als Horst Janssen am 31. August 1995 an den Folgen eines Schlaganfalls stirbt. Heute gilt Janssen als einer der bedeutendsten Zeichner und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Er war exzentrisch, egoman und exzessiv; sein Alkoholkonsum und seine gelegentlichen Gewaltausbrüche waren berüchtigt, sein Liebesleben lieferte Stoff für unzählige Geschichten. Henning Albrecht legt nun, nach mehr als fünf Jahren Recherche, die erste umfassende Biografie des Ausnahmekünstlers vor. Er zeichnet das Porträt eines ewigen Kindes, das vaterlos aufwächst, die Mutter früh verliert und sich immer nach Geborgenheit sehnt, ohne zu wissen, welches Gefühl sich hinter dem Wort verbirgt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.08.2016

Mit dieser Biografie hat Hennig Albrecht dem Künstler Horst Janssen einen Bärendienst erwiesen, befindet der Kunsthistoriker Beat Wyss. Dass der Biograf gründlich unter die Bettdecke blicke und schonungslos von Janssen Ehen, Verhältnissen und Affären berichte, die meist destruktiv bis gewalttätig verliefen, könnte zum Werkverständnis beitragen, konzediert Wyss, wenn Albrecht dabei nicht dem Mythos vom wilden Künstlergenie aufgesessen wäre, den Janssen selbst gern gepflegt habe. Für Wyss geht dieser Mythos nicht auf. Er sieht in Janssen absolut keinen unpolitischen Künstler, sondern einen, der Zeit seines Lebens die Prägung nicht los wurde, die er von den Nazis auf der Napola-Schule eingeimpft bekommen hat. Wyss erkennt in Janssens Kunstauffassung einen ähnlich antisemitischen und intellektuellenfeindlichen Charakter wie in dem Propaganda-Film "Ewiger Rembrandt" von 1942, den er ausführlich beschreibt. Geradezu revisionistisch findet Wyss schließlich, dass der Biograf Janssens problematische Seite nicht thematisiert, sondern mehr oder weniger die Geschichte des Hamburger enfant terrible erzählt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2016

Christopher Schmidt zeigt sich enttäuscht von Henning Albrechts Janssen-Biografie. Das wahnsinnige Leben und Schaffen Janssens kann der Historiker für ihn höchstens anreißen. Schon, weil er Janssens giftige Monomanie auszublenden gewillt ist, um sich ganz auf dessen Virtuosentum zu konzentrieren, in Absetzung zur Kommerzkunst auch noch, wie Schmidt feststellt. Das geht nicht gut, meint er. Erstens, da der Autor Janssen als Kind seiner Zeit nicht würdigt, zweitens, da Albrecht der kunsthistorische Sachverstand fehlt, um Janssens Kunst zu analysieren, wie der Rezensent knallhart attestiert. Die medizinische Anamnese allein aber kann Erkenntnis nicht bringen, findet Schmidt. So füllt laut Rezensent vor allem das Lebensweltliche die vielen Seiten. Das immerhin sieht er von Albrecht akribisch recherchiert. Das Bild am Ende aber bleibt das alte: Janssen als "Borderliner im Bademantel", so Schmidt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2016

Wolfgang Kemp findet es beachtlich, wie gut Henning Albrecht seine Biografie Horst Janssens gelungen ist. Albrecht hat mit einem Dutzend oder mehr Verflossenen geredet, hat die Archive und Akten durchforstet, Freunde und andere interviewt, zählt der Rezensent auf, und bei aller Wahrheitsliebe hat er trotzdem noch eine tolle Geschichte über diesen überzwerchen Hamburger Künstler zu erzählen, freut sich Kemp. Auch erfährt der Rezensent, dass es womöglich Mitschnitte von Janssen-Telefonaten gibt - die hätte er gern auf CD, gibt Kemp zu.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.03.2016

Ein gefeierter Außenseiter sei der Grafiker Horst Janssen in seiner norddeutschen Heimat gewesen, schreibt der Kunstkritiker Hans-Joachim Müller, und ein oftmals zum Genie überhöhter Rüpel und Trunkenbold. Außerhalb Hamburgs habe sich Janssens Bekanntheit allerdings in Grenzen gehalten, über die Ursachen dieses regional gebliebenen Ruhms mutmaßt Müller in seiner Besprechung. Schuld sei wohl der spöttische Blick Janssens auf sämtliche Kollegen gewesen, die Beschränkung aufs Medium der Zeichnung sowie die Werke selbst, die auf Müller unzeitgemäß wirken. Die Biografie von Henning Albrecht nähere sich der Frage der lokalen Berühmtheit mit Polemik, stellt der Rezensent mit Bedauern fest. Er nennt das Buch "auf bekenntnishafte Weise parteiisch", indem es den unkritischen Ton der Janssen-Apologeten übernehme.