Stephan Reimertz

Max Beckmann

Biografie
Cover: Max Beckmann
Luchterhand Literaturverlag, München 2003
ISBN 9783630880068
Gebunden, 480 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Max Beckmann zählt zu den größten Malern des 20. Jahrhunderts. Seine eindrucksvollen Selbstporträts, seine Frauenfiguren und explosiven Großstadtszenen, das philosophisch verschlüsselte Spätwerk haben seinen internationalen Ruf begründet. In dieser Biografie stellt Stephan Reimertz Leben und Werk des Malers vor. Er schildert dessen persönliche und künstlerische Entwicklung, seinen Aufstieg und Fall in Deutschland und die quälenden Jahre des Exils in den USA.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2003

Barbara Catoir bedauert, dass diese Beckmann-Biografie "ein Beispiel für eine in Passagen immer wieder aus der Kontrolle geratene Gedankenflut" geworden ist. Dieses im übrigen nämlich, wie sie lobt, "so informative, gut geschriebene Buch" hätte ihrer Ansicht nach also eigentlich nur eines guten Lektorats bedurft, um es zu "straffen" und ihm seine zum Teil "geschwätzigen Kommentare zu nehmen". Die Rezensentin erklärt sich das Problem vor allem daraus, dass die Form der Biografie dem Romanautor Stephan Reimertz wohl Fesseln angelegt habe, und entschuldigt ihn damit, dass die Literatur zu Beckmann - wie auch die vom Maler selbst hinterlassenen schriftlichen Zeugnisse - ein gewaltiger Fundus seien. Und schließlich kann man auf den Gedanken kommen, dass in dem Kritisierten vielleicht sogar ein Vorzug des Buches sich verbirgt. Wenn die Rezensentin nämlich ihr Urteil über die ausschweifenden "Kopfreisen" des Autors - "in andere Jahrhunderte und Länder" der Malerei zum Beispiel - dann noch einmal in folgendes Bild kleidet: die "Tableaus", die aus Reimertz' Erzählung "aufsteigen" würden, seien "bis zum Bersten gefüllt", und darin eigentlich den "von Beckmann um 1920 als Bühnen entworfenen Bildszenen" verwandt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.04.2003

Vernichtend fällt das Urteil von Rezensent Alexander Kluy über diese Beckmann-Biografie aus: vermutlich habe der Autor der hochtrabenden Bezeichnung "Kunstschriftsteller" mit diesem Buch neues Leben einhauchen wollen: "Doch diese Leiche ist schon lange tot!" höhnt er, und sieht den Autor raunend vor seinem Gegenstand auf den Knien liegen. Besonders unangenehm fällt dem Rezensenten die Biografie durch ihre sprachliche Manierismen auf: zum Beispiel fand er Hitler durchgehend als "der Anstreicher" oder Picasso als "der Spanier" bezeichnet. Künstler-Zeitgenossen gälten dem Biografen sämtlichst als "minderbegabt oder überschätzt", Künstler der Gegenwart wie Anselm Kiefer "gar als geistesverwirrte Krakeeler". Nahtlos ins katastrophale Bild fügt sich für den Rezensenten, dass Autor Reimertz grobe Fehler wie falsch geschriebene Namen und Zuschreibungen unterlaufen. Auch bei der "eigenwilligen Symbolsprache" seiner Werkbeschreibungen zeigt Reimertz nach Ansicht des Rezensenten "deutliche Unzuverlässigkeiten und Unzulässigkeiten". Entschädigt werde man, fügt er hämisch hinzu, durch eine geradezu rührende "Kritik- und Ahnungslosigkeit" gegenüber den geistigen Strömungen in Europa seit 1900.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.04.2003

Claudia Lanfranconi lässt an dieser Biografie Max Beckmanns kein gutes Haar. Das Buch sei eine einzige "hagiografische Verklärung", die zudem bei der Erzählung der Kinder- und Jugendjahre antike Künstlertopoi aufgreift, moniert die Rezensentin. Der Autor lässt in seiner Biografie den "Mythos des einsamen Künstlers aufleben", so Lanfranconi ärgerlich, und sie findet es auch etwas schwach, dass Reimertz mit seinen Ausführungen zum Nachkriegsstil Beckmanns nur "einmal mehr" die bereits allgemein bestätigten Urteile der Forschung wiederholt. Zudem beklagt die Rezensentin, dass in dem Buch kein einziges Bild abgedruckt ist, das den "eruptiven Textfluss" des Autors hätte illustrieren können. Dass Reimertz dann auch noch "akribisch" jeden Schritt seines Protagonisten dokumentiert, bis hin zur Zählung der von Beckmann gerauchten Zigaretten, entzweit die Rezensentin endgültig mit dieser "biografischen Detailexegese".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Rezensentin Petra Kipphoff lässt an Stephan Reimertz' Max-Beckmann-Biografie kein gutes Haar - obwohl sie sich ob der unfreiwilligen Komik von Reimerts Stilkunst köstlich amüsiert zu haben scheint. Als "Buch ohne Lektor" brandmarkt sie das Werk, den Beweis - in Form eines hämischen Reigens von Zitaten - liefert sie umgehend. Auf die Zeit Beckmanns (1884-1950) etwa stimme Reimertz den Leser so ein: "Sowohl was die Größe der Katastrophen als die der künstlerischen Leistungen angeht, schlägt die Waage des zwanzigsten Jahrhunderts weit zu seiner ersten Hälfte aus." Damit nicht genug: "Der Tod der Mutter war unausweichlich", zitiert Kipphoff genüsslich, "Bei allem Schmerz und aller Trauer stand eine Erbschaft zu erwarten." So geht es die gesamte Rezension munter weiter. Reimertz' Buch, resümiert die Rezensentin mit Blick auf das 480 Seiten starke Werk, "ist ein Übergewicht mit starken Unterernährungserscheinungen."