Heinz Strunk

Der goldene Handschuh

Roman
Cover: Der goldene Handschuh
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016
ISBN 9783498064365
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Dieser Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiografische Züge auskommt. Ein Strunkbuch ist es trotzdem ganz und gar. Sein schrecklicher Held heißt Fritz Honka - für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe "Zum Goldenen Handschuh" mit. Strunks Roman taucht tief ein in die infernalische Nachtwelt von Kiez, Kneipe, Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose Leben alles Menschliche zu rauben droht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2016

Rezensentin Sabine Vogel weiß nicht, womit sie es zu tun hat bei Heinz Strunks Roman. Derart übel spielt ihr der Autor mit, führt ihr den "Schmiersuff" und das "suffgeile" Ficken und Morden vor Augen, den unvermeidlichen Absturz seines früh kaputten Helden, des Hamburger Frauenschänders Fiete Honka, dass sie schwankt zwischen Schreien und Lachen. Ein irres Lachen muss das sein, denn Strunk, erklärt Vogel, nimmt die Leserin tatsächlich mit auf die schiefe Bahn, in die vernichtenden Kaschemmen, wo die untoten Huren furzen und und die zerfetzte Seele bei Fanta Korn ihren Kick wegbekommt. Gut recherchiert, exzellent beobachtet, keine Frage, meint Vogel. Doch auch scharf an der Ekelgrenze, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2016

In einem sehr schönen Text brespricht Tex Rubinowitz Heinz Strunks Roman über den Frauenmörder Fritz Honka, den der Boulevard in den siebziger Jahren in großer Ekelfaszination zum "Gespenst des Grauens" stilisiert hatte. Bei Strunk bleibt der Grat zwischen Ekel und Mitleid schmal, das Absturzmilieu von St. Pauli lässt keinen Raum für Beschönigung, stellt Rubinowitz klar: Strunk zeigt die "Verrutschten des Daseins", den Mörder ebenso wie die Prostituierten, in ihrer ganzen düster-trostlosen Hoffnungslosigkeit. Wahrscheinlich um aus diesem verzweifelten Milieu keine "nützliche Hölle" zu machen, in die wir nur eben kurz vom Sofa aus blicken, hat Strunk den zweiten Strang über eine ebenso schreckliche Reederdynastie eingebaut, vermutet Rubinowitz. Ein wenig beschleicht ihn der Verdacht, dass Strunk seine Figuren auch ausstellt, aber dann beruhigt er sich: Es sei doch eher das "Protokoll einer sprachlosen Gesellschaft", das Strunk mit seinem Roman vorlege: Selbst ganz unten begegnen sich die "verkrümmten Seelen" nur mit Verachtung, "keiner hilft keinem".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.02.2016

Kein Zweifel, mit diesem Roman über den realen, im Hamburg der frühen 70er Jahre umtriebigen Serienmörder Fritz Honka ist der bislang als Kultbuchautor gehandelte Schriftsteller Heinz Strunk endgültig in der Hochliteratur angekommen, versichert ein tief beeindruckter, angesichts der geschilderten Abgründe aber auch merklich verstörter Dirk Knipphals. In dessen Augen schließt Strunk an jene schon lange nicht mehr bediente Tradition der deutschen Literatur an, sich Lebensläufen weit jenseits bürgerlicher Entwürfe zu widmen, ohne sich diese identifikatorisch anzuverwandeln. Dies gelinge dem Autor mit einigem "erzählerischen Geschick", konstatiert der Rezensent: In seinem nüchternen Erzählton erweise sich Strunk als souveräner Handhaber mobiler erzählerischer Techniken, lege ein gutes Gespür für dramaturgische Effektivität an den Tag und widme sich seinen Figuren in beeindruckender Feinarbeit. Das "soziologisch genau" in den Blick genommene Hamburg der 70er mit seinen Kneipen, Dialekten und verkrachten Existenzen, aus deren Milieu heraus Honka übergriffig wird, erscheint keineswegs als romantisch verbrämtes Außenseiter-Soziotop, erläutert der Kritiker weiter, sondern bricht im Gegenteil die lichten, hellen Narrative von der alten BRD auf. Strunk fokussiert das Düstere, Unaufbereitete, den aus der Geschichte verdrängten sozialen Morast: In dieser Hinsicht, so Knipphals, erscheint "Der Goldene Handschuh" in klassisch psychoanalytischer Perspektivierung als "unheimlich" - dies auch insofern, da sich aus diesem Gärmaterial heraus auch einige Überlegungen zur heutigen, in den sozialen Medien beobachtbaren Hasskultur anstellen lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.02.2016

Nach seinem Roman "Der goldene Handschuh" muss Heinz Strunk definitiv als Autor ernst genommen werden, meint Ijoma Mangold. Dass Strunk jedoch auf die Bezeichnung Comedian deshalb gleich abweisend reagiert, findet der Rezensent unnötig, schließlich sei dessen Parodie auf das "Phrasenschicksal der Menschheit" auch aller Achtung wert. Der Roman spielt laut Mangold auf der Hamburger Reeperbahn und erzählt kontrastierend die Geschichte des heruntergekommenen Serienkillers Fiete, der in Spelunken Frauen aufgabelt, sie beim Sex zunächst einvernehmlich quält und sie dann schließlich - ohne deren Einverständnis - umbringt, und die Geschichte Karls erzählt, der zwar wohlhabend unter den Reedern lebt, aber durchaus vergleichbare sexuelle Vorlieben pflegt, fasst der Rezensent zusammen. Was Strunk da an Facetten eines Milieus herausgearbeitet hat, ist schlicht beeindruckend, findet Mangold.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2016

Zumutung!, ruft Jürgen Kaube angesichts von Heinz Strunks Roman über den Hamburger Serienmörder Fritz "Fiete" Honka. Und was für eine. So trostlos Kaube das hier Dargestellte, ein Leben auf dem Abstellgleis, findet, so bedeutungsvoll scheint ihm die Form der Darstellung, dass er dem Roman sogar den Aufmacher des Feuilletons widmet. Dass es dem Autor gar nicht so sehr um die vier Leichen, ihre grausame Zurichtung geht, als um Honkas Weg dorthin, findet Kaube in Ordnung. Stilistisch bemerkenswert ist das Buch für ihn durch seine Lakonie, die ohne Kälte auskommt. Geschildert wird ein Leben jenseits von Gut und Böse, erkennt Kaube und erschrickt, wenn Strunk Kontrollverluste mit großer Genauigkeit, filmischem Realismus und einer Empathie schildert, die den Rezensenten an Grenzen führt.