Heinrich Geiselberger (Hg.)

Die große Regression

Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit
Cover: Die große Regression
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518072912
Taschenbuch, 319 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Arjun Appadurai, Zygmunt Bauman, Donatella della Porta, Nancy Fraser, Eva Illouz, Ivan Krastev, Bruno Latour, Paul Mason, Pankaj Mishra, Robert Misik, Oliver Nachtwey, César Rendueles, Wolfgang Streeck, David Van Reybrouck, Slavoj Žižek.
Spätestens seit sich die Folgen der Finanzkrise abzeichnen und die Migration in die Europäische Union zunimmt, sehen wir uns mit Entwicklungen konfrontiert, die viele für Phänomene einer längst vergangenen Epoche hielten: dem Aufstieg nationalistischer, teils antiliberaler Parteien wie dem Front National und der AfD, einer tiefgreifenden Krise der EU, einer Verrohung des öffentlichen Diskurses durch Demagogen wie Donald Trump, wachsendem Misstrauen gegenüber den etablierten Medien und einer Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungen, die an dunkle Zeiten gemahnt. Politiker werden als "Vaterlandsverräter" verunglimpft, Muslime unter Generalverdacht gestellt, im Internet werden die krudesten Verschwörungstheorien propagiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2017

Wer die ganze Bandbreite linker Ansichten zur weltpolitischen Lage nachlesen will, ist mit diesem von Suhrkamp-Lektor Heinrich Geiselberger herausgegebenen Sammelband gut bedient, meint Rezensentin Barbara Kuchler. In den Beiträgen prominenter Publizisten, Politologen, Soziologen und Philosophen entdeckt die Kritikerin zahlreiche unkonventionelle und kontroverse, wenn auch nicht immer gänzlich neue Thesen zu Populismus, Globalisierung und ihre Verlierer. Interessiert folgt Kuchler etwa Ivan Krastev, der von "bedrohten Mehrheiten" spricht oder Wolfgang Streeck, der Populismus als "Wiederentdeckung der Demokratie" versteht, liest aber auch "verschwörungstheoretisch anmutende" Thesen, etwa von Bruno Latour, der "obskurantistischer Eliten" auf der reichen Nordhälfte des Planeten ausgemacht, oder psychologische Deutungen wie bei Oliver Nachtwey, der in Trump die Verkörperung eines "Entzivilisierungstrends" im Sinne Norbert Elias' erkennt. Dass die Beiträge alphabetisch geordnet sind, findet die Rezensentin zwar ein wenig verwirrend, die "Dissoziation" zwischen dem "Schlagen des eigenen politischen Herzens und den Fragen des eigenen analytischen Verstandes" erscheint ihr hingegen gelungen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2017

"Schön wär's, es wäre so einfach" wie es in dem von Heinrich Geiselberger herausgegebenen Band über die aktuelle geistige Situation der internationalen Linken erscheint, seufzt Rezensent René Scheu: Neoliberalismus und Globalisierung sind schuld an allem Unheil in der Welt. Die Autoren und Herausgeber von "Die große Regression" verfolgen sicher ein lobenswertes Anliegen, so Scheu, doch die gehobene Rhetorik könne nicht über allzu simple Argumentation, ins politische Gewand gekleidete Sentimentalitäten, kurz: "linksreaktionäres Denken" hinweg täuschen, so der belustigte bis empörte Rezensent. Statt dieser Lektüre empfiehlt er Kaspar Villigers "altersradikales" Buch zur gegenwärtigen Lage: "Die Durcheinanderwelt". Für Villiger heiße das Ungeheuer nicht Neoliberalismus, sondern Sozialdemokratismus und sei nicht durch weniger, sondern durch mehr Freiheit und Marktwirtschaft zu bändigen. Da kann Scheu nur lächelnd nicken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.04.2017

Rezensent Gustav Seibt stellt fest, dass das Hauptaugenmerk in dem von Heinrich Geiselberger herausgegebenen Sammelband mit Krisendeutungen linker Intellektueller auf der sozialpsychologischen Bedeutung des Begriffs Regression liegt. Darüber hinaus vermisst der Rezensent allerdings eine Reflexion des Begriffs im Band. Die gestellten Diagnosen scheinen ihm nicht neu, die Beiträge aber durch die unterschiedliche Herkunft der Autoren durchaus differenziert. Dass die Texte davon abgesehen eher unkonkret und in der Deutung bisweilen fragwürdig bleiben, enttäuscht den Rezensenten. Dass allein die neoliberalen Eliten Schuld sind an der Krise, wie ihm die Beiträge vermitteln, kann er zum Beispiel nicht glauben.
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