Aus dem Niederländischen von Arne Braun. David Van Reybrouck geht es um demokratische Partizipation. Alle Menschen müssen sich in Politik und Entscheidungsfindungen einbringen, deshalb: Mehr Populismus! Besserer Populismus!
Populismus gilt, gerade in Zeiten des zunehmenden Nationalismus, als negativer Begriff, doch in ganz Europa haben populistische Bewegungen starken Zulauf. David Van Reybrouck, selbst Historiker und Archäologe, sieht den Grund dafür in einer immer größeren Kluft zwischen Menschen mit akademischer Ausbildung und Menschen bildungsfernerer Schichten. Während die Riege der Akademiker durchaus die Vorteile der Globalisierung sieht und Toleranz für das Fremde fordert, verbinden Menschen in ungelernten Jobs und mit schlechterer Bezahlung mit dem Wort Globalisierung oft zuallererst Ängste, auch Konkurrenzängste.
In Regierungen sind Nichtakademiker oder die sogenannten einfachen Leute aber mittlerweile völlig unterrepräsentiert. Sie von demokratischen Entscheidungsprozessen auszugrenzen kann aber fatale Folgen haben und sie zu radikalen Positionen treiben.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.10.2017
Ein paar erhellende Gedanken entdeckt Rezensent Andreas Fanizadeh in David Van Reybroucks bereits vor zehn Jahren im Original erschienenen und nun mit einem aktuellen Vorwort versehenen Plädoyer für einen anderen Populismus durchaus. So kann er dem belgischen Historiker etwa zustimmen, wenn dieser mehr Partizipation als Mittel gegen Politikverdrossenheit fordert. Wenn Reybrouck hier jedoch wie bereits in einem älteren Essay ein Zweikammersystem propagiert, in dem ein zweites Parlament per Losverfahren "nach dem sozialen Proporz der Gesamtbevölkerung" zusammengesetzt wird und er in Folge glaubt, dass rechter Populismus so bekämpft werden könne, widerspricht ihm der Kritiker vehement. Und wenn Reybrouck im nachgereichten Vorwort behauptet, Politiker wie Martin Schulz hätten "die Neigung, mehr Sympathie für Flüchtlinge zu hegen als für Arbeiter und Ungelernte", ärgert sich Fanizadeh über das "Stammtischniveau" des Autors.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2017
Dorion Weickmann lässt sich vom belgischen Hismeroetoriker David van Reybrouck in dessen fast zehn Jahre altem Buch einen anderen Populismus erklären. Vom Istzustand - der Asymmetrie von Bildungschancen, Reisegewohnheiten und Berufswegen - gelangt der Autor laut Rezensentin zu den Ursachen. Hier findet Weickmann ihn besonders lesenswert. Die Frage, warum jemand radikal wählt, kann ihr der Autor beantworten, nicht mit brandneuen Erkenntnissen, aber in "prägnanter" Form. Eine Werbung für einen aufgeklärten Populismus, die bei der Rezensentin ankommt.
Durchaus interessiert liest Rezensentin Elisabeth von Thadden diesen nun auch auf Deutsch erschienenen Essay des belgischen Historikers, Schriftstellers und Anthropologen David Van Reybrouck aus dem Jahr 2008. Der damals noch unbekannte Autor prangert in seinem Plädoyer "Für einen anderen Populismus" den Umstand an, dass in den Parlamenten überwiegend diplomierte Akademiker vertreten seien und ein Großteil der Bevölkerung in Folge nicht mehr repräsentiert werde, erklärt die Kritikerin. Zwar wendet Thadden ein, dass zumindest die AfD-Wähler im Schnitt wohlsituierter sind als die Gesamtbevölkerung, als "historisch vergleichende Populismus-Geschichte" liest sie das Buch aber mit Gewinn.
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