David van Reybrouck

Für einen anderen Populismus

Ein Plädoyer
Cover: Für einen anderen Populismus
Wallstein Verlag, Göttingen 2017
ISBN 9783835331570
Kartoniert, 96 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Arne Braun. David Van Reybrouck geht es um demokratische Partizipation. Alle Menschen müssen sich in Politik und Entscheidungsfindungen einbringen, deshalb: Mehr Populismus! Besserer Populismus! Populismus gilt, gerade in Zeiten des zunehmenden Nationalismus, als negativer Begriff, doch in ganz Europa haben populistische Bewegungen starken Zulauf. David Van Reybrouck, selbst Historiker und Archäologe, sieht den Grund dafür in einer immer größeren Kluft zwischen Menschen mit akademischer Ausbildung und Menschen bildungsfernerer Schichten. Während die Riege der Akademiker durchaus die Vorteile der Globalisierung sieht und Toleranz für das Fremde fordert, verbinden Menschen in ungelernten Jobs und mit schlechterer Bezahlung mit dem Wort Globalisierung oft zuallererst Ängste, auch Konkurrenzängste. In Regierungen sind Nichtakademiker oder die sogenannten einfachen Leute aber mittlerweile völlig unterrepräsentiert. Sie von demokratischen Entscheidungsprozessen auszugrenzen kann aber fatale Folgen haben und sie zu radikalen Positionen treiben. Van Reybrouck fordert Demokratie und Regierungsbeteiligung für alle: auch und gerade für diejenigen, die in medialen und gesellschaftlichen Debatten oft nicht zu Wort kommen und sich deshalb fatalerweise Parteien zuwenden, die populistisch den Nationalismus und rechtsradikale Bewegungen stärken. Van Reybroucks Plädoyer dagegen: Populismus nicht fürchten, sondern zur Stärkung der Demokratie nutzen!

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.09.2017

Durchaus interessiert liest Rezensentin Elisabeth von Thadden diesen nun auch auf Deutsch erschienenen Essay des belgischen Historikers, Schriftstellers und Anthropologen David Van Reybrouck aus dem Jahr 2008. Der damals noch unbekannte Autor prangert in seinem Plädoyer "Für einen anderen Populismus" den Umstand an, dass in den Parlamenten überwiegend diplomierte Akademiker vertreten seien und ein Großteil der Bevölkerung in Folge nicht mehr repräsentiert werde, erklärt die Kritikerin. Zwar wendet Thadden ein, dass zumindest die AfD-Wähler im Schnitt wohlsituierter sind als die Gesamtbevölkerung, als "historisch vergleichende Populismus-Geschichte" liest sie das Buch aber mit Gewinn.