Wilhelm Heitmeyer

Autoritäre Versuchungen

Signaturen der Bedrohung 1
Cover: Autoritäre Versuchungen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518127179
Kartoniert, 394 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Ein Gespenst geht um in der Welt - das Gespenst des rabiaten Rechtspopulismus. Spätestens mit der Wahl Donald Trumps hat sich die Lage zugespitzt mit Angriffen auf Pressefreiheit und Gewaltenteilung. Gegen die liberale Demokratie. Wilhelm Heitmeyer hat diese Tendenzen frühzeitig thematisiert. 2001 warnte er, die Globalisierung gehe mit politischen und sozialen Kontrollverlusten einher, die zum Aufstieg des autoritären Kapitalismus, zu Demokratieentleerung und einem Erstarken des Rechtspopulismus führen könnten. In seinem neuen Buch knüpft er an diese Analyse an und macht sie für eine Diagnose der aktuellen Situation fruchtbar. Der Band bildet den Auftakt zu der Reihe "Signaturen der Bedrohung", die Phänomenen politischer Gewalt und sozialer Desintegration gewidmet ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2018

Die in Darmstadt lehrende Soziologin Cornelia Koppetsch nimmt dieses Buch ihres Bielefelder Kollegen Wilhelm Heitmeyer genau unter die Lupe. Zunächst erinnert sie allerdings an seine Langzeitstudie "Deutsche Zustände" zu rechtsextremistischen Hintergründen in der Bundesrepublik, der sie ein äußerst "detailliertes Sittenbild" der Ängste, Befindlichkeiten und Einstellungen in der Bundesrepublik lange vor dem Aufstieg der AfD verdankt. Bereits 2002 konnten Heitmeyer und Kollegen autoritäre Aggressionen, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus, Islamophobie und Antisemitismus nachweisen - solche Einstellungen wurden aber damals noch nicht öffentlich artikuliert, fügt Koppetsch hinzu. Wenn ihr Heitmeyer nun aber den Aufsteig der neuen Rechten mit einem "großem narrativen Bogen", der von der Globalisierung über Desintegrationsprozesse bis zur Demokratieentleerung reicht, plausibel machen will, verweist die Kritikerin darauf, dass der Anteil von Menschen mit autoritären Einstellungen seit Erscheinen der "Deutschen Zustände" gleich geblieben sei - Heitmeyers Argumentation also nicht aufgeht. Abgesehen davon, dass die Rezensentin weitere Differenzierungen innerhalb rechter Einstellungen vermisst, fehlt ihr hier auch eine Erklärung dafür, weshalb im autoritären Kapitalismus nicht jeder Mensch autoritär wird.

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