Jahrzehnte des Krieges in Afrika, auf dem Balkan, am Golf und im Nahen Osten, Krieg in der Ukraine, Krieg in Mexiko, Krieg in Afghanistan. Die USA haben sich weltweit zurückgezogen, das Vakuum füllen andere. Europa sollte sich dieser Realität stellen, um nicht immer wieder von ihr überrascht zu werden; dies aber nicht auf dem Weg zurück in die Machtspiele des 19. Jahrhunderts, sondern auf den Wegen des Völkerrechts und durch die Errichtung von und die Mitwirkung an Systemen gemeinsamer Sicherheit. Liegt aber nicht gerade das Völkerrecht am Boden? Wer glaubt noch an die UN-Charta? Christen glauben nicht an die Charta, sondern an Gott und die Macht der Nächstenliebe. Zu diesem Glauben aber gehört das Bekenntnis zu Menschenwürde und Menschenrecht und zur zivilisierenden Kraft des Völkerrechts. Die Gründe für dieses Bekenntnis werden in Hartwig von Schuberts zukunftsorientierter "Ethik politischer Gewalt" ausführlich erläutert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2022
Rezensent Alexander Gallus bekommt mit dem Buch des ehemaligen Militärdekans der Bundeswehr, Hartwig von Schubert, zum Glück kein Pamphlet des Pazifismus, sondern eine Ethik, die es in sich hat. Der zunehmenden Gewalt auf dem Planeten widmet Schubert laut Gallus dabei eine material- und wissensstrotzende akademische Arbeit, die den Leser leider häufig überfordert. Schon die über 100-seitige Einleitung ist für Gallus eine Herausforderung. Dass der Autor belesen ist in Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft, liegt für Gallus auf der Hand, Schuberts Ritt durch die Zivilisationsgeschichte mit Blick auf das Verhältnis von Religion und Politik bleibt für den Rezensenten aber leider weitgehend enzyklopädisches Stückwerk. Vergangenheit und Gegenwart erhellenderweise aufeinander zu beziehen, gelingt dem Autor allzu selten, findet Gallus, und der Leser verliert häufig den Überblick.
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