Hartmut Steinecke

Die Kunst der Fantasie

E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk
Cover: Die Kunst der Fantasie
Insel Verlag, Frankfurt am Main - Leipzig 2004
ISBN 9783458172024
Gebunden, 645 Seiten, 32,90 EUR

Klappentext

Als "Gespenster-Hoffmann" ist Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1776-1822), der seinen dritten Vornamen aus Verehrung für Mozart in "Amadeus" umwandelte, in den Kanon der Weltliteratur eingegangen. Doch Hoffmann, der sich selbst lange Zeit mehr als Komponist denn als Schriftsteller sah, ist keineswegs nur der Schöpfer der modernen Kriminalerzählung und ein Meister des Skurrilen und Unheimlichen. In der Vielseitigkeit seines Schaffens und in seiner poetologischen Reflektiertheit ist er einer der größten Universalkünstler der europäischen Romantik. Hartmut Steinecke trägt dem Rechnung und entwickelt sein Bild von Hoffmanns Persönlichkeit vom Werk her. Dabei beschränkt er sich nicht auf "Hoffmanns Erzählungen" wie "Der goldene Topf" oder "Der Sandmann", sondern berücksichtigt auch seinen hindernisreichen Werdegang als Tonkünstler, Theatermacher und Theatermaler sowie die Briefe, Tagebücher, Musikrezensionen und juristischen Arbeiten. So werden Verbindungslinien innerhalb des eigenen Werks, aber auch zu Schriften anderer Autoren und zur zeitgenössischen Wissenschaft sichtbar, die unerwartete Einblicke in Werkstatt und Leben Hoffmanns ermöglichen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2005

Seinen Respekt will Thomas Meißner der neuen E.T.A. Hoffmann-Biografie von Hartmut Steinecke nicht versagen, die seines Erachtens allerdings eher eine Werkmonografie zu nennen ist. Zwei Drittel des Buches beschäftige sich - in chronologischer Reihenfolge - ausschließlich mit dem schriftstellerischen Werk Hoffmanns; eine Biografie, die diesen Titel auch verdient, müsse eine stärkere "Zusammenschau von Leben und Werk" erbringen, lautet Meißners Devise. Auch das chronologische Vorgehen Steineckes stößt bei ihm nicht auf einhellige Begeisterung, da es das Buch nicht gerade zum Lesevergnügen mache. Meißner hätte sich mehr thematische Bündelung und diskursive Erörterungen gewünscht und weniger Einzelanalysen, denen der Rezensent im Großen und Ganzen trotzdem zustimmt. Fantasie und Humor seien die beiden Leitbegriffe, mit denen Steinecke die Hoffmannschen Schriften analysiere; der Humor habe anders als das Fantastische erst in den letzten Lebensjahren an Bedeutung gewonnen habe, weshalb der Autor auch die letzten Erzählungen Hoffmanns rehabilitiere. Lobend erwähnt der Rezensent außerdem, dass Steinecke nicht nur den Literaten Hoffmann, sondern auch den Musiker, Musikkritker und Juristen E.T.A. Hoffmann würdige, was für dessen Vollständigkeitsanspruch spreche.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.01.2005

"Irgendwie muss das anders gewesen sein", seufzt Heinz Schlaffer am Ende seiner Besprechung von Hartmut Steineckes Schilderung von Leben und vor allem Werk E.T.A. Hoffmanns. Das Buch ist aus den Einleitungen und Kommentaren zur Ausgabe von  Hoffmanns "Sämtlichen Werken" im Deutschen Klassiker Verlag hervorgegangen, und diesen "dienenden" Charakter hat es sich erhalten, meint Schlaffer. Chronologisch und vollständig seien alle literarischen Erzeugnisse Hoffmanns aufgelistet, "verlässlich und minutiös" die Umstände des Schaffens zusammengetragen. Aber eben auch nicht mehr, wie der Rezensent kritisiert. "Selten" komme Steinecke in seinem "Referat der Einzelheiten" auf übergeordnete ästhetische Begriffe zu sprechen, und "auch dann geht die Paraphrase nicht zur Analyse weiter". Schlaffer ärgert sich auch über Steineckes Sprache, den großzügigen Einsatz "liebloser Lieblingswörter" und die nicht mehr als durchschnittlichen Begriffserklärungen, die über Hoffmanns historische Ferne den "Grauschleier heutiger Verwaltungsrhetorik" legen. Schlimmer noch: "Schärfere Erkenntnis wird durch Steineckes leicht lesbaren, aber von einem verbrauchten Wissenschaftsvokabular geprägten Stil verhindert."
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Stichwörter