Hans Ulrich Gumbrecht zeigt am Beispiel von fünf großen Romanisten, an Karl Vossler, Ernst Robert Curtius, Leo Spitzer, Werner Krauss und Erich Auerbach, wie literarische Erfahrung und biografische Kontingenzen ineinander greifen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.06.2002
Als einen Plauderer mit dem Ohr an der akademischen Gerüchteküche bezeichnet Stephan Schlak den Autor. Um so erstaunter ist er, dass Gumbrecht mit den hier versammelten biografischen Essays Halt macht vor den Geistesgrößen seines Faches. Vossler, Curtius, Spitzer, Auerbach, Krauss - ihre Geschichten erzählt uns der Literaturwissenschaftler "als letzten geisteseuropäischen Tanz", zusammengehalten von der Frage, wie die großen Romanisten die existenziellen Krisen des Jahrhunderts meisterten. Dass Gumbrechts Sympathie dabei nicht den "Exit-Optionen" etwa eines Erich Auerbach gilt, der für sich das "Pathos der Alltäglichkeit" entdeckte, vermerkt Schlak mit Genugtuung: "Lieber hält er es mit den Exzentrikern" Krauss und Spitzer. Und wenn deren Leben auch vom Verlust erzählt (Krauss wurde in Plötzensee interniert), Gumbrechts Geschichten, meint der Rezensent, sind fröhliche Wissenschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2002
Fünf herausragende Vertreter der deutschsprachigen Romanistik - Karl Vossler, Ernst Robert Curtius, Leo Spitzer, Eric Auerbach und Werner Krauss - porträtiert Hans Urich Gumbrecht: stilistisch höchst elegant, findet Kersten Knipp, wie es sich für einen Romanisten gehört. Die Beschäftigung mit fremden Sprachen und Kulturen habe stets ein Unbehagen an der deutschen kanalisiert, berichtet Knipp aus Gumbrechts Einleitung, was die betreffenden Romanisten vor nationalsozialistischen Anwandlungen ein Stück weit feite, sie aber nicht daran hinderte "wegzuschauen", wie Knipp aus dem Buch zitiert. Selbst Leo Spitzer, den die Nazis seiner Professur beraubten, besaß eine regelrechte Abneigung, sich mit politischen Fragen zu befassen: das widersprach seinem ästhetisierten Weltbild. Eine Haltung, die bei allen fünf großen Romanisten in ähnlicher Weise anzutreffen war, fasst Knipp seine Lektüre zusammen. Die NS-Zeit habe sich inhaltlich wenig auf die Werke dieser herausragenden Romanisten ausgewirkt, wohl aber stilistisch, laute das Fazits Gumbrechts. Dieser spreche von einer "spannungsgeladenen Ambivalenz" zu den südeuropäischen Kulturen, die wohl in ihrer Heftigkeit Ausdruck jener Zeit und damit unwiederbringlich vorbei sei. Das findet Knipp nicht bedauerlich.
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