Fanatiker oder Hoffnungsträger? Wer war der Revolutionär, der mit seinen Ideen nicht nur Russland, sondern die ganze Welt veränderte? Die Biografie stellt Werdegang und Denken von Wladimir Iljitsch Lenin ins Zentrum. Sie hakt dort nach, wo sich Urteile verfestigt haben. Zusammenhänge werden neu arrangiert und überraschende Erklärungen dafür angeboten, wie einem Außenseiter der Aufstieg zum Führer des ersten sozialistischen Staates gelang. Die Autoren rollen nach umfassender Einsicht in Originaldokumente die Biografie eines Mannes auf, der als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gilt. So entsteht ein neues, vielschichtiges Lenin-Bild, das die Geschichte eines Einzelgängers in einer Welt im Umbruch erzählt.
Mit allerlei Lenin-Mythologie räumen Verena Moritz und Hannes Leidinger in ihrer Biografie auf, freut sich Rezensent Robert Misik. Das Autorenduo konzentrieren sich entgegen heutiger Gewohnheiten auf den intellektuellen Werdegang Lenins, der immer noch oft als Genie gefeiert oder als Gegenpol zum stalinistischen Terror uminterpretiert wird, so der Rezensent. Entlang des Buchs zeichnet Misik Lenins Lebensweg nach, vom Hass auf das Zarentum über die Hinwendung zum Marxismus und die Zeit im Exil. Lenin entwickelt in seinen Schriften ein entmenschlichendes Vokabular, lernt Misik aus dem Buch, er war jovial, aber auch ein Erbsenzähler, uncharismatisch, und seine herrschaftskritische Staatstheorie lief auf eine Legitimation von Gewaltherrschaft heraus. Die Lenin-Idealisierungen halten einer kritischen Relektüre, wie Moritz und Leidinger sie leisten, nicht stand, schließt Misik, was sich nicht zuletzt in Lenins Sprache, etwa in seiner Vorliebe für das Wort "erschießen", zeige.
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