Hanna Schygulla, geboren im schlesischen Kattowitz (Königshütte), als Flüchtlings- und später als Wirtschaftswunderkind in München aufgewachsen, wurde der weibliche Star der Filme von Rainer Werner Fassbinder, die zwischen 1969 und 1981 in rasender Geschwindigkeit entstanden. Vor dem Hintergrund von Kriegsende, Wiederaufbau, Studentenbewegung - jener Zeit, als antiautoritär und kreativ noch gleichbedeutend waren - und Wiedervereinigung erzählt Hanna Schygulla von ihrer Flucht, ihrer Jugend in München, ihren Jahren mit Fassbinder, vom Ende der Zusammenarbeit nach Lili Marleen und Fassbinders frühem Tod ein Jahr danach, von ihrer Übersiedlung nach Paris der Liebe wegen und der Fortsetzung ihrer Karriere mit anderen großen Regisseuren wie Jean-Luc Godard, Andrzej Wajda, Marco Ferreri, Ettore Scola, Fatih Akin oder Alexander Sokurov. Ein besonderes Kapitel ist dem langen Abschied von den Eltern gewidmet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2014
Rose-Maria Gropp liebt diese Frau ganz offensichtlich. Den schwermütigen Ton ihrer Stimme und den somnambulen Glanz, der die Schauspielerin umgibt "wie ein opaker Halo", meint die Rezensentin noch beim Lesen von Hanna Schygullas Autobiografie zu erkennen. Sehr persönlich findet Gropp das Buch, doch entdeckt sie keinen Schimmer von Selbstmystifizierung. Stattdessen Schilderung der Kindheit im Nachkrieg und ein Ineinander der Zeiten, eine Art Gleiten auch von Satz zu Satz, das Gropp gut gefällt. Die Arbeit mit Fassbinder, erklärt die Rezensentin, nimmt darin zwar viel Raum ein, doch entsteht der Eindruck, als wolle die Autorin das würdig hinter sich bringen, um sich dann ihrer eigenen Geschichte zuwenden.
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