Der Regisseur Dominik Graf und die Filmwissenschaftlerin Lisa Gotto widmen sich der Frage, wie Restriktionen und Regelungsdruck die Filmkultur beeinflussen. Der osteuropäische Film aus der Zeit des "Kalten Kriegs" spielt dabei eine herausragende Rolle. Im Fokus stehen ausgewählte Filme aus der ehemaligen CSSR sowie aus Ungarn und Polen, die aus Sicht der Autor*innen zu den schönsten und klügsten der Welt gehören. Warum ist es notwendig, diese Filme wiederzuentdecken? Wie konnten Filmemacher*innen wie Zbynek Brynych, Vera Chytilová, Judit Elek, Agnieszka Holland, Márta Mészáros, Andrzej Wajda oder Krzystof Zanussi unter Zensurbedingungen solche künstlerischen Höhen erreichen? Und wie lässt sich Film an den Grenzhütern der Regelungsbetriebe vorbeischleusen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2021
Rezensent Bert Rebhandl bekommt große Lust, sich die Filme von Judit Elek, Vera Chytilova und Zbynek Brynych anzusehen beim Lesen in Lisa Gottos und Dominik Grafs "filmhistorischer Flugschrift". Der Band über das Kino hinter dem Eisernen Vorhang ist für ihn Anregung zum Schauen, aber auch zu tiefergehender theoretischer Diskussion. Letztere bieten ihm die Autoren nur ansatzweise, wenn sie fragen, wie unter dem Druck der Verhältnisse immer wieder starke Filme entstehen konnten. Mit vereintem Enthusiasmus, wobei Graf öfters ins Schwärmen gerät, während Gotto filmhistorisch und analytisch einordnet, wie Rebhandl feststellt, stellen die Autoren laut Rezensent jede Menge Filme vor, die man sofort sehen möchte.
Rezensent Michael Meyns verzeiht dem Essayband "Kino unter Druck" von Dominik Graf und Lisa Gotto den leichten "Etikettenschwindel". Denn wie Meyns offenbart, enthält der Band Essays von Graf, die schon in anderen Bänden enthalten waren und höchstens locker zum Thema passen. Trotzdem ist Meyn von der Qualität der Analysen zum Kino von Andrzej Wajda und Krzysztof Zanussi, Věra Chytilová und Márta Mészáros überzeugt, vor allem das einleitende Gespräch findet er herausragend, in dem Graf und Gotto die Besonderheiten des osteuropäisches Kinos sehr schön herausarbeiten. Die Lektüre hinterlässt beim Rezensenten die Hoffnung, etwas von der "unmittelbaren" Sinnlichkeit der Filmkultur hinter dem Eisernen Vorhang für die Gegenwart zu bewahren.
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