Hallgrimur Helgason

Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein.

Roman
Cover:  Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein.
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2005
ISBN 9783608936520
Gebunden, 616 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Aus dem Isländischen übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig. Ein Kind findet den reglosen Greis nahe dem einsamen Schafhof seines Vaters. Gastfreundschaft ist in Island heilig, daher nimmt der wortkarge Viehbauer den Findling auf.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.05.2005

Leider, leider ist Hallgrimur Helgasons "Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein" ein Schlüsselroman, trauert die Rezensentin Katharina Granzin. Denn Schlüsselromane haben es an sich, dass sie nur für Eingeweihte - in diesem Fall Isländer - ihr volles Bouquet entfalten. Somit kann die Lektüre des vorliegenden Romans für den Leser hierzulande leicht in Arbeit ausarten. Es wäre jedoch Arbeit, die sich lohnen würde, denn Helgasons "so unerschrokene wie ernsthafte" Geschichte um den Schriftsteller Grimsson (eigentlich Halldor Laxness, der einzige isländische Nobelpreisträger und Gott des isländischen Schriftsteller-Olymps) ist in den Augen der Rezensentin eine "sehr intelligente" und "vielschichtige" Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen Autor, Werk und Lesern. Helgason, erklärt die Rezensentin, erzählt drei Geschichten: zum einen die von Grimsson, der eines Tages in der Welt seiner eigenen Fiktion erwacht und die von ihm erschaffene Welt - tatenlos - miterleben muss, zum anderen Grimssons Leben vor besagtem Zwischenfall und schließlich die Geschichte von Grimssons berühmtestem Roman. In der Frage nach der moralischen Verantwortung des Künstlers, die sich aus dieser Konstellation ergibt, liege Helgasons Roman begründet, und letztlich gerade darin, dass es auf diese Frage keine eindeutige Antwort gibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2005

Dieses Buch von Hallgrimur Helgason stellt eigentlich drei Romane in einem dar, meint Silja Ukena, die sich gar nicht fassen kann vor Begeisterung. Ein gestorbener isländischer Schriftsteller wacht in "seinem eigenen literarischen Werk" wieder auf und ist fürderhin seinen eigenen Erfindungen ausgeliefert, fasst die Rezensentin amüsiert zusammen. In der Begegnung des Schriftstellers mit dem Bauern Hralfur, einer Gestalt, die der Protagonist ebenfalls selbst geschaffen hat, entwickelt Helgason aber parallel eine "höchst unterhaltsame Parodie" des isländischen Bauernromans und setzt sich mit dem "Übervater" isländischer Literatur, Halldor Laxness, auseinander, so Ukena weiter. Die isländische Literatur muss man aber nicht kennen, um diesen Roman mit Gewinn lesen zu können, beruhigt die Rezensentin. Außerdem würden die Leser durch "hilfreiche Anmerkungen" von Karl-Ludwig Wetzig unterstützt, dessen Übersetzung die Rezensentin zudem als "sprachlich virtuos" preist. Schließlich aber werde in dem Roman in der Gestalt Hralfurs das Schicksal eines richtigen Menschen mit seinen Freuden und seinem Leiden entwickelt und auf dieser "Ebene" lasse der Autor alle "selbst inszenierte Ironie" fahren und zeige damit eine "überraschen romantische Seite", so die Rezensentin anerkennend, die hier den "stärksten Teil" eines insgesamt überzeugenden Buches gefunden hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2005

Als deutschsprachiger Leser und ohne ein "Fingerzeigen" wird man das neue Buch Hallgrimur Helgasons als "pfiffige Fabel" verstehen, vermutet Rezensent Uwe Stolzmann. Schließlich erzählt der isländische Autor "hübsch bösartig" die Geschichte von einem Schriftsteller, der sich "stadtfein gekleidet", dafür aber ohne Erinnerung an seine Identität statt im Pflegeheim auf einer Wiese wiederfindet. Als er das Gedächtnis wiedererlangt, stellt er fest, dass er in einem seiner eigenen Romane "erwacht" ist und nun all die "drögen" Typen ertragen muss, die er einst selbst geschaffen hat. "Vortrefflich" kann man sich mit diesen ersten 150 Seiten unterhalten, lobt der Kritiker. Doch der Rest des Buches sei nur dank des "freundlichen" Geplauders des Ich-Erzählers zu "ertragen". Darin rechnet der Autor nämlich mit Halldor Kiljan Laxness ab, dem literarischen Übervater der Insel, der hinter Helgasons Schriftsteller steckt. Ihn "zitiert" und "persifliert" er auf eine Art, aus der der Rezensent nur eines folgern kann: Helgason wäre wohl gern so "kritisch-modern" und "wirkungsmächtig" gewesen wie Laxness.
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