Aus dem Isländischen von Coletta Bürling. Die äußerst vernunftbegabte Samanta, ein überzeugter Single, führt ein geregeltes und selbstgenügsames Leben. Ihre heimliche Schwäche: Sie übersetzt indische Liebesgedichte aus der Mogulzeit. Doch bald begegnet ihr die wirkliche Liebe in Gestalt eines Mannes. Alles in ihr wehrt sich gegen Hans Örlyggson, einen jungen Manager, der über Jahre hinweg immer wieder in ihr Leben eindringt und dessen Ordnung gefährdet. Wie Fische umschwimmen die Liebenden einander, nähern sich, entwinden sich, ohne je voneinander lassen zu können. Erst spät, vielleicht zu spät, vermag Samanta den Zauber der gemeinsamen Stunden zu ermessen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2006
Andreas Breitenstein ist hingerissen: "Federzart und doch sinnschwer" sei die kurze und auch heitere Liebesgeschichte der Isländerin, eine für Männer und Frauen gleichermaßen geeignete Lektüre. Sie handele von der "Leidenschaft gegen alle Vernunft", die der allein stehenden Lektorin Samanta mit dem verheirateten Manager Hans widerfährt. Die Unmöglichkeit der Beziehung kehrt sich um und werde zum stimulierenden und intensivierenden Moment. Da die Ich-Erzählerin aus der Erinnerung berichtet, wirke ihre Trauer noch ortlos, das Ereignis bleibe unbewältigt bis sich eine neue Liebe findet und der Schmerz ins Elementare isländischer Seelenlandschaft fließe. Steinunn Sigurdardottir habe, auch in ihren anderen Romanen, dem insularischen Schreiben eine selbstbewusste Note hinzugefügt, die, weg vom rein Epischen, Ironie mit Melancholie verbinde, das Abgründige mit dem Neurotischen, und trotzdem die isländischen Naturgewalten nicht aus den Augen verliere, so ein beglückter Rezensent.
Die Liebe der Fische, die ohne Berührung auskommt, ist ein schönes Bild für die Geschichte "zweier Liebender, die nicht zueinander finden", meint der Rezensent Wolfgang Müller. Anstatt Hans, der ihr schon seit langem nicht aus dem Kopf gehen will, heiratet Samanta den geschiedenen Erlingur - und seine zwei Kinder - und beginnt sich zu fragen, "ob es ein und dasselbe ist, ein amüsantes Leben zu inszenieren oder eines zu haben". Sehr gefallen haben dem Rezensenten die Sanftheit und Einfühlsamkeit, mit der sich Steinunn Sigurdardottir der Seelen ihrer Figuren annimmt, und mit der sie vor dem Hintergrund der bestechend und dauerhaft schönen isländischen Landschaft die Frage offen lässt, ob Samantas Schicksal tragisch ist oder nicht.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…