Günter Grass

Vonne Endlichkait

Cover: Vonne Endlichkait
Steidl Verlag, Göttingen 2015
ISBN 9783958290426
Gebunden, 184 Seiten, 28 EUR

Klappentext

Allen Zumutungen des Alterns und der 'Endlichkait' zum Trotz, plötzlich erscheint erneut fast alles möglich: Liebesbriefe, Selbstgespräche, Eifersuchtsdramen, Schwanengesänge, Gesellschaftssatiren und Augenblicke des Glücks drängen aufs Papier. Plötzlich findet rhythmisierte Kurzprosa ein vielstimmiges Echo in episch wuchernden oder pointiert zugespitzten Gedichten. Plötzlich entstehen sinnenfrohe Doppelstücke, die vom Zeichner ins Bild gesetzt, weitererzählt oder auf den Doppelpunkt gebracht werden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Mit Günter Grass' letztem, erst kurz vor seinem Tod fertiggestellten Buch schließt sich ein Lebenskreis, so Rezensentin Iris Radisch, es sei "beinahe ein Vermächtnis". Die Rezensentin entdeckt in den Gedichten, Prosatexten und Zeichnungen altbekannte Motive wie Erdverbundenheit und ein "Knapp-über-dem-Boden-Gefühl". Die Erzählung von einem Birkensarg sei in ihrer Heiterkeit und Tragikomik, ihrer Bildgewalt und Expressivität gar ein Meisterstück des alten Grass, befindet Radisch. Natürlich findet man im Buch auch die vertraut nervenden Unterweisungen, doch überwiegen die stillen Abschiedstexte, resümiert die Kritikerin, bis hin zu den allerletzten, laut Radisch von Larmoyanz gänzlich freien Worten des Nobelpreisträgers. Sie ist von diesem "tränenlosen Abschied" merklich gerührt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2015

Als gute Gelegenheit von Günter Grass Abschied zu nehmen, nimmt Rezensent Rainer Moritz dieses letzte Buch des Autors. Dass es auf ausgestellte Originalität verzichtet, verbucht der Rezensent unter Weisheit und freut sich über die nachdenkliche Gelassenheit die die Texte, von einigen deutlichen Stellungnahmen zur Griechenland-Krise und dem Einsatz von Rettungsdrohnen abgesehen, ausstrahlen. So opulent gestaltet der Band ist, so dezent verläuft das Gespräch zwischen den Gattungen darin, weiß Moritz, dem die melancholische Ruhe im Zwiegespräch zwischen Text und Zeichnung gut gefällt. Mehr von der Altersironie, von Schriftstellergesprächen und inniger Dingbetrachtung und noch weniger Gesinnungslyrik wäre dem Rezensenten recht gewesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2015

Nicht überwältigt, aber doch versöhnlich zeigt sich Rezensent Friedmar Apel nach der Lektüre von Günter Grass' letztem Werk "Vonne Endlichkait". Reichhaltig ausgestattet erscheint ihm dieses Buch, das neben Gedichten und Prosatexten auch eine Vielzahl von Zeichnungen des Autors enthält. Während der Kritiker letztere nahezu "kindlich" rührend findet, ist er mit einigen Metaphern der Texte nicht immer einverstanden: Celans Metapher der "schwarzen Milch" sei nicht geliehen, sondern schlicht "enteignet" und auch die im geschmacklosen "Mutti" betitelten Merkel-Gedicht bemühte George-Metapher "Mehltau" findet Apel unpassend. Abgesehen von den typisch "bockigen" Grass-Texten entdeckt der Rezensent hier aber auch bewegende Stücke über Vergänglichkeit, die vor allem durch ihre Schön- und Klarheit fesseln.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.09.2015

Tilman Krause spürt regelrecht die Zufriedenheit des Autors Günter Grass mit einem schaffensreichen langen Leben, wenn er die Sprüche, Verse, Impressionen, Anekdoten (übers Probeliegen in Särgen etwa) und Grüße an Kollegen liest und die Illustrationen betrachtet, die den Band zieren. Transzendenz soll der Leser von diesem letzten Grass nicht erwarten, kein ästhetisches Auftrumpfen, so Krause, dafür einen kleinen Abgesang auf die eigene Existenz, auf das einfache Leben und die körperlichen Genüsse, ein Epitaph, eine im kaschubisch-ostpreußischen Dialekt verfasste Rückversicherung des geistigen Koordinatensystems dieses bedeutenden Autors, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.08.2015

Mit einiger Überraschung hat Rezensent Burkhard Müller Günter Grass' letztes Buch "Vonne Endlichkait" gelesen. Dem Kritiker, der sich nicht unbedingt als Grass-Fan zu erkennen gibt, erscheint bereits der an die kaschubische Mundart seiner Kindheit erinnernde Titel nahezu "rührend". Vor allem aber erlebt er den Autor hier ungewohnt selbstironisch, etwa wenn er von seinem letzten Zahn erzählt. Während der Rezensent Grass' typisches "Gegrummel", etwa über Finanzmärkte oder Drohnen, schlichtweg übergeht, liest er interessiert und nicht ohne eine gewisse Erschrockenheit wie in einigen sehr persönlichen Stücken angesichts des nahenden Todes der "zerbrechliche" Mensch Grass hinter der moralischen Instanz hervortritt. Verwundert bemerkt Müller auch eine ungeahnte humoristische Seite bei dem Autor, dennoch lässt es sich der Kritiker nicht nehmen, einigen Geschichten "Plumpheit" zu attestieren. Und in den beigefügten Bleistift-Zeichnungen des Autors erkennt Müller nicht nur "Subtilität", sondern auch zeichnerische Schwächen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.08.2015

Hymnisch und äußerst zitierfreudig bespricht Rezensentin Judith von Sternburg Günter Grass' letztes Buch "Vonne Endlichkait", das sie als "Meisterwerklein" würdigt. In den Prosastücken, Gedichten und Zeichnungen erlebt sie Grass bestens gelaunt, ebenso lebens- wie todeszugewandt, bisweilen zornig, häufiger aber herrlich selbstironisch. Entsprechend vergnügt liest die Kritikerin in den thematisch zwischen Festhalten und Loslassen, Jammern und Spotten mäandernden Texten Tiraden gegen "Mutti" Merkel, Berichte über seine Ärgernisse beim Zeitungslesen, Erinnerungen an Rabelais oder Rühmkorf und Loblieder auf die letzten Dinge, etwa den einzig verbliebenen Zahn. Wunderschön erscheint der Rezensentin vor allem Grass' pointenreiche Geschichte über die Särge, die er und seine Frau sich haben anfertigen lassen. Ein vielleicht nicht altersweises, aber ungemein sympathisches Buch, schwärmt Sternburg.