Machtkämpfe, Magnetismus und Affären: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe Berlin 1816: Karl August von Hardenberg, als preußischer Staatskanzler einer der angesehensten Männer seiner Zeit, trifft im Dämmerlicht einer Arztpraxis eine junge Frau, an der merkwürdige magnetische Heilverfahren ausprobiert werden, und verliebt sich in sie. In seinem neuen Buch erzählt Günter de Bruyn die Geschichte dieser ungewöhnlichen Liebe und entführt dabei wie in seinen vorangegangenen Büchern in das Spannungsfeld einer ganzen Epoche. Es geht um Machtkämpfe und Affären, um Romantik und Restauration. Vor allem aber geht es um die letzten, bewegten Lebensjahre eines Staatsmannes, der für seine junge Geliebte eine Scheinehe mit einem anderen arrangiert und als Reformpolitiker zunehmend an Macht verliert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.08.2016
Vordergründig geht es in Günter de Bruyns neuem Buch um die unstandesgemäße Liebe des Fürsten und Staatskanzlers Karl August Freiherr von Hardenberg zu einer 40 Jahre jüngeren Uhrmachertochter. Doch der bald 90-jährige Schriftsteller und Preußen-Kenner de Bruyn rekonstruiere diese Amour fou nicht mit Lust am Skandalon, sondern vielmehr "mit Zurückhaltung und mit Interesse an den politischen Aspekten", merkt Rezensent Wilhelm von Sternburg lobend an. So gehe es etwa um Hardenbergs Kampf für eine von ihm entworfene Verfassung, die König Friedrich Wilhelm III. trotz anders lautender Versprechungen schließlich verhinderte. Dem Kritiker gefällt gut, dass der Autor seine Leser "unaufgeregt und anschaulich in die große-kleine Welt der Machtkämpfe und Affären" Preußens führt, wo Privates und Politik sich des Öfteren fatal vermischt hätten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2015
Wie viel Potential hätte die Geschichte um die skandalträchtige letzte Liebe des Staatskanzlers Hardenberg mit seiner Geliebten Friederike Hähnel gehabt, seufzt Rezensent Andreas Kilb nach der Lektüre von Günter de Bruyns Roman "Die Somnambule". So ehrenwert der Kritiker de Bruyns Vorgehensweise auch findet, diese Episode preußischer Geschichte nur aus den spärlich verbliebenen Dokumenten zu rekonstruieren - etwa den Briefen des Fürsten Pückler-Muskau an die Geliebte seines Schwiegervaters - ein wenig mehr Fantasie hätte der Erzählung gut getan, meint Kilb. Von den in anderen Büchern unter Beweis gestellten Qualitäten des Autors erkennt der Rezensent hier leider nur wenig: Die Figuren scheinen ihm ohne Sympathie porträtiert, auch das Netz historischer Verweise wirkt hier "löchrig", meint der Kritiker.
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