Ewald Frie

Friedrich August Ludwig von der Marwitz. 1777-1837

Biografien eines Preußen. Habil.
Cover: Friedrich August Ludwig von der Marwitz. 1777-1837
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2001
ISBN 9783506727305
Gebunden, 382 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Er war der "Liebling" Fontanes und des poetisch-reaktionären Preußenkönigs Friedrich Wilhlems IV. Seine Schriften haben seit 1851 immer neue Bearbeiter gefunden. Hier liegt nun die erste historisch fundierte Biografie über Friedrich August Ludwig von der Marwitz (1777-1837) vor, der als frühkonservativer Widersacher Hardenbergs in die Geschichte eingegangen ist. Sein Leben wird in sechs Perspektiven erzählt, die die Lebenskreise des vormodernen Adels abschreiten: Familie, Religion, ländliche Herrschaft, Militär, Politik und Geschichte. In dem neuartigen Ansatz verschmelzen Biografie und Gesellschaftsgeschichte zu dem anschaulichen Lebensbild eines altpreußischen Standesherrn in der Konfrontation mit einer neuen Zeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2002

Verdienstvoll findet Hans-Christof Kraus diese Studie in mehrfacher Hinsicht: So erscheint ihm etwa der Versuch, Marwitz als "sprachmächtigen Meister der Selbststilisierung" darzustellen, als ein wichtiger Schritt dahingehend, das bisherige Bild des Junkers "von manchen nachträglichen Übermalungen" zu befreien. Für noch schätzenswerter freilich hält Kraus, dass der Autor die Legende vom "Vater der conservativen Partei Preußens" korrigiert, indem er dem Leser Marwitz als Gegner einer allmächtigen Staatsbürokratie und Verfechter des von England inspirierten Modells der Selbstverwaltung nahebringt. Dass dies "immer quellennah" und in "schlüssiger Rekonstruktion" der politischen Ideenwelt Marwitz' geschieht und dabei "die neuen Resultate der sozialhistorischen Forschung zur Praxis der ländlichen Gutsherrschaft in Brandenburg-Preußen" in "lesbarer Form" Verwendung finden, kann der Rezensent gleichfalls zufrieden feststellen. Wirklich geärgert hingegen hat ihn Fries "offenkundige Verachtung des Geschäfts eines Biografen". Hier sei dem Autor ein Seitenblick auf die angelsächsische Welt empfohlen, "wo die Biografie seit eh und je einen zentralen und zu Recht weitgehend unangefochtenen Platz innerhalb der Geschichtswissenschaft einnimmt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2001

Die Biografie von Ewald Frie über den schroffen, adelsstolzen, herrischen, aber aufrechten "gebildeten Gelehrtenfeind" und "hellsichtigen Reaktionär" Friedrich August Ludwig von der Marwitz hält Jens Bisky für recht gelungen. Der Rezensent empfiehlt die Lektüre allen Lesern, die weder weichgespülte Darstellungen des Preußens der Schlösser und Gärten mögen, noch das Zerrbild vom militaristischen Obrigkeitsstaat. Die Biografie ist kritisch, bezieht neue Quellen mit ein und enthält viele interessante Details über Marwitz und seine Lebenswelt, lobt Bisky. Doch leicht lesbar ist sie nicht, warnt der Rezensent, denn Frie habe seine Biografie nicht chronologisch, sondern nach Themen wie Religion, Adel, Kirche und Militär angeordnet. So spiegele zwar Marwitz' Lebensgeschichte die Umbruchsituation zwischen 1790 und 1830 wider, doch bleibe dafür der Protagonist in all seiner Widersprüchlichkeit auf der Strecke und zerfalle in Gutsherr, Offizier und Politiker. Eines aber ist dem Rezensenten deutlich geworden: Marwitz war kein Repräsentant seines Standes, sondern ein Sonderling, ein Außenseiter, den sogar viele seiner Gegner respektiert hätten.
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