Antonia S. Byatt

Das Buch der Kinder

Roman
Cover: Das Buch der Kinder
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100044174
Gebunden, 894 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Melanie Walz. Im Süden Englands, in London, Paris und im zügellosen Schwabing suchen die Familien Wellwood, Fludd und Cairn am Ende des 19. Jahrhunderts ein freieres und erfüllteres Leben, sie proben neue Wege in Kunst und Politik, Liebe und Erziehung. Immer mit dabei sind die vielen Kinder, die sich mit ihren unterschiedlichen Talenten und Temperamenten einen Weg durch die Lebensexperimente ihrer Eltern bahnen. Aber alle Familien, auch die fortschrittlichsten, haben ihre dunklen Geheimnisse am Ende drohen Enttäuschung, Verrat und der große Krieg.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011

Mit "Das Buch der Kinder" hat A. S. Byatt einen ausgesprochen dichten, komplexen und erhellenden Roman über die Abgründe von Künstler- und Familienleben im Fin de Siecle geschrieben, preist Marion Löhndorf. Offensichtlich ist es angesichts der vielen Abschweifungen, eingeschobenen Exkursen und Nebenerzählsträngen nicht ganz einfach, das Zentrum dieses Romans herauszuschälen, doch sind es laut Rezensentin zwei Künstler und deren Familien, insbesondere ihre Kinder, die sich an ihren eigenen Traumata und Widersprüchen abarbeiten und damit ihre Nachkommen nachhaltig prägen und beuteln. Dabei werde vordergründig einem Ideal nicht nur sexueller Freiheit gefrönt, hinter der "pastoralen Idylle" klaffen allerdings Abgründe, weiß Löhndorf zu berichten. Byatt macht aus der Abneigung gegen Schwärmer- und Träumerexistenzen zwar keinen Hehl, begleitet aber ihre Protagonisten ausnahmslos mit Empathie, stellt die Rezensentin eingenommen fest. Kritisch analysiert sie die "Klischees der Künstlerromantik" und kommentiert nicht zuletzt auch das eigene künstlerische Schaffen, so Löhndorf sehr fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2011

Vorwürfe wurden erhoben gegen diesen sehr umfangreichen Roman, er stürze sich zu sehr ins Detail, breite die Dinge der Zeit, in der er spielt - von 1895 bis 1915 - in ungebührlich lexikalischer Manier aus. Ganz falsch aber findet Wiebke Hüster Vorhaltungen dieser Art. Der genau geschilderte Hintergrund, vor dem sich die Verwicklungen dieses Historienromans zutragen, sei ein zentrales Kompositionselement für die Autorin, der es um die Darstellung von Jahrzehnten des Aufbruchs im Politischen, im Kulturellen, einen Aufbruch des Denkens und Hoffens und Wollens geht. Und zwar im starken Kontrast zu den Jahrzehnten des europäischen Grauens, die folgten. Zur Herausarbeitung dieses Kontrasts sei die Fülle überaus wichtig. Im Zentrum steht eine sechsfache Mutter, große Fragen zum Leben des Menschen werden berührt: "Was ist Familie, was Kindheit, welche Bedeutung hat die Arbeit?" usw. Daraus, dass ihr die Lektüre von Anfang bis Ende das größte Lesevergnügen in glücklicher "Selbstvergessenheit" bescherte, macht die Rezensentin aber auch kein Geheimnis. Als kongenial wird die Übersetzung von Melanie Walz gelobt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.09.2011

Als "großen Roman über den europäischen Aufbruch im Fin de Siecle" würdigt Tobias Heyl das neue Werk von A.S. Byatt. Es ist für ihn ein Buch, in das man abtauchen kann, ein Roman mit zahllosen ineinander verschlungenen Handlungssträngen, reich an Personen, der einen weiten Bogen spannt vom Süden Englands über Paris bis nach München in den Jahren von 1895 bis 1919. Im Mittelpunkt sieht er die Kinder der Familien Wellwood, Fludd und Cairn, die vom Aufbruch in die Moderne mitgerissen werden, von den neuen Ideen der Psychoanalyse, der Frauenbewegung, der Kapitalismuskritik, sexueller Emanzipation. Der Autorin gelingt es in seinen Augen, ein "atmosphärisch dichtes Bild" des Fin de Siecle zu zeichnen und die wichtigsten Bewegungen der Epoche zu beschreiben. Dabei findet Heyl in diesem Roman auch von Byatt gekonnt und unaufdringlich eingestreute Parallelen zur Gegenwart.
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