"Von mir werden einmal keine Briefe auftauchen wie von Rilke - ich bin kein Briefschreiber", bemerkte Gottfried Benn einmal gegenüber seinem Verleger Max Niedermayer. Doch das Briefeschreiben gehörte so sehr zu Benns Leben wie das Dichten selbst.
Holger Hof hat eine sorgfältig kommentierte Briefauswahl zusammengestellt, die durch biografische und literarische Details besticht. Im Wechsel verschiedener Tonlagen richtet Gottfried Benn seine Briefe an Freundinnen und Freunde, an literarische Wegbegleiter und erbitterte Gegner, an seine Ehefrauen und in zartem zugewandtem Ton an die Tochter Nele.
Mehr als die Hälfte der Briefe sind bisher ungedruckt, ein Drittel war nur verstreut im Druck zugänglich. Der vorliegende Band bietet ein umfassendes und facettenreiches Bild von Gottfried Benns Leben in Briefen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2018
Rezensent Stephan Speicher genießt vor allem den selbstironischen gereiften Gottfried Benn in diesen von persönlichen, laut Speicher beinahe achtlos erscheinenden Äußerungen geprägten Briefen. Den Benn, der mal respektvoll urteilt, abwägt und sich auch mal widerspricht. Den annoncierten Neuigkeitswert des Bandes bestreitet Speicher aber. Von den 293 Briefen kennt er 70 bereits aus den "Ausgewählten Briefen" von 1957, wenngleich auch nicht so philologisch genau ediert und kommentiert wie hier, wie der Rezensent einräumt.
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