Herausgegeben von Daniel Lapoujade. Mitunter ist es mehr als nur eine aufregende Leseerfahrung, wenn man feststellt, dass ein Band mit Texten, deren Erstpublikation viele Jahre zurückliegt, von verblüffender Aktualität ist: Es ist vielmehr die intellektuelle Erfahrung einer verstörenden und beunruhigenden Präsenz, die den eigenen Blick auf die Gegenwart durchkreuzt. Dies wird jedem so ergehen, der in diesen Band mit Aufsätzen, Interviews und kleineren Beiträgen von Gilles Deleuze eintaucht. So zeigt sich etwa die Nähe seiner kritischen Stimme zu aktuellen politischen Debatten, wie sie von Slavoj ?i?ek oder Noam Chomsky bis hin zu Michael Hardt und Toni Negri geführt werden. Auch seine Überlegungen zur Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts, zum zeitgenössischen Kino und zur Filmtheorie, zur Psychoanalyse oder zur Literatur haben ihr Korrelat in der Gegenwart. Krieg, Pazifismus, Toleranz, Revolution, Drogen, Befreiung und Kritik - das sind Deleuze? Stichworte zur Erkundung des Heute, die nichts von ihrer Sprengkraft verloren haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.02.2006
Eine "sorgfältige Nachlese" zum Werk von Gilles Deleuze findet Martin Saar in diesem Band, der kleine Texte, Interviews, Vorworte und politische Interventionen des französischen Philosophen von Mitte der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre versammelt. Neben Stellungnahmen zur Psychoanalyse, zur Filmtheorie und neueren Musik und Kunst umfasst der Band vor allem Berichte von den intellektuellen Freundschaften mit Michel Foucault und Felix Guattari sowie Gelegenheitstexte. Einen Nachteil der streng chronologischen Anordnung der Texte sieht Saar in seinem fehlenden thematischen Fluchtpunkt. Nichtsdestoweniger lassen sich seines Erachtens einige Funde machen, "die dem etablierten Deleuze-Bild neue Facetten hinzufügen können".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2005
Der Band "Schizophrenie und Gesellschaft" versammelt verstreute Schriften von Gilles Deleuze, Gelegenheitstexte, Briefe und Gespräche, die für Leopold Federmair zwar keine solch notwendige Ergänzung zu Deleuzes Werk darstellen wie etwa die "Dits et Ecrits" von Michel Foucault, aber dennoch recht aufschlussreich sind. Über einen Umweg enthüllten sie Federmair im Endeffekt nämlich doch einiges über Deleuzes Werke - über den Umweg der Freundschaft. Für wen nahm der Philosoph Partei? Wem war er wahlverwandt? Gegen wen setzte er sich ab? Besonders hervor hebt Federmair einen Text über die wichtigsten Begriffe bei Foucault, der ihm sehr schön darlegte, wie die "deleuzianische Begriffserzeugungsmaschine" einen virtuellen "Chaosmos" erschuf.
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