Aus dem Englischen von Sophia Deeg und Birgit Althaler. Gilbert Achcar unternimmt die überfällige Darstellung, wie die arabische Welt den Holocaust als Teil ihrer Geschichtsschreibung versteht. Er erörtert den Einsatz des Holocaust und der Nakba für die Propaganda der arabischen und israelischen Seite. Sein Buch ist ein wichtiger Beitrag gegen Vorurteile und Rassismus in jeder Form, seien sie antiarabisch oder antisemitisch geprägt, und eine Grundlage für die Verständigung im Nahost-Konflikt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2012
Gottfried Niedhart sieht den Autor in den Fußstapfen Edward Saids. Wenn Gilbert Achcar den Kampf um die Deutungshoheit zu den Ursachen und Verläufen des israelisch-palästinensischen Konflikts untersucht, den Wurzeln des Konflikts nachspürt und zur Aufklärung aufruft, fühlt sich Niedhart allerdings mitunter recht einseitig informiert. So spricht der Autor von der "zionistischen Kolonialmacht" Israel und schildert etwa die Entwicklung seit 1948 als eine Reihe militärischer Gewalthandlungen Israels. Dass Achcar der Versuchung widersteht, mit allzuviel Quellenmaterial zu hantieren und der Autor stattdessen ein differenziertes Bild der Lage arabischer Intellektueller während des Zweiten Weltkriegs zeichnet, gefällt dem Rezensenten hingegen gut.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.09.2012
Der französisch-libanesische Politologe und Historiker Gilbert Achcar hat ein Buch über die abweichenden arabischen und israelischen Geschichtsschreibungen vorgelegt, in dem er versucht, beiden Versionen gerecht zu werden. Rezensent Martin Forberg meint, dem Autor gelinge dieses politische Kunstwerk dank einer differenzierten, analytischen Haltung hervorragend. Eine wichtige Auseinandersetzung in "Die Araber und der Holocaust" sei beispielsweise das Verhältnis von Schoah und Nakba, also Holocaust und Vertreibung der Palästinenser. Achcar werde beiden Seiten gerecht, indem er zwar den "fundamentalen Unterschied zwischen Völkermord und Vertreibung" betone, aber gleichzeitig die "israelische Kolonialherrschaft über die Palästinenser" und das Machtgefälle berücksichtige. Problematisch sei, wenn der Antisemitismus oder -islamismus einzelner "reaktionärer und fundamentalistischer Vertreter" als repräsentativ betrachtet werde.
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