Gershom Scholem

Es gibt ein Geheimnis in der Welt

Tradition und Säkularisation. Ein Vortrag und ein Gespräch
Cover: Es gibt ein Geheimnis in der Welt
Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783633541836
Gebunden, 127 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Itta Shedletzky. Wie beurteilte Gershom Scholem, der große Gelehrte und Erforscher der jüdischen Mystik, die Überlebenschancen des Judentums in einer säkularisierten Welt? Darüber geben zwei Texte Aufschluss, die in diesem Band zum ersten Mal auf deutsch veröffentlicht werden. Der Vortrag "Einige Betrachtungen zur jüdischen Theologie in dieser Zeit" und ein Gespräch, in dem er über sich und sein Denken Auskunft gibt, entstanden in den siebziger Jahren. Scholem spricht von seiner Beziehung zu Rosenzweig und Benjamin, seiner Hinwendung zum Judentum und zum Zionismus sowie seiner Wahrnehmung der gegenwärtigen jüdischen Befindlichkeit in Israel und der Diaspora. In seinem Überblick über die begründenden Momente der jüdischen Theologie wie im Gespräch nimmt Scholem klar Stellung zu der Frage, welche Bedeutung in seiner Sicht der jüdisch-religiösen Tradition in der modernen Welt zukommt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2003

Gershom Scholem war weder orthodoxer Jude noch Atheist, informiert Rezensent Jörg Drews, und seinen Vortrag findet er gerade deshalb so gelungen, weil er "vom Verhältnis zur Religion in einer säkularisierten Welt handelt". Der Rezensent berichtet sogar von einem regelrechten Vergnügen bei der Lektüre des Vortrags, da dieser eine herbe Abfuhr an Scholems Kollegen mit ihren jämmerlichen begrifflichen Vagheiten sei, wo es doch eigentlich aufzuarbeiten gelte, dass sowohl das Christentum, als auch das Judentum in den vergangenen 250 Jahren Opfer der historischen Kritik in unterschiedlichster Form gewordenen seien. Drews vermutet, dass Sholems Vortrag so fasziniert, weil dieser aus "gleichzeitiger Identifizierung und Entfremdung" spreche, also "nicht allein als Wissenschaftler, aber auch weder als Rabbi noch als Orthodoxer noch als Kabbalist", wie er erklärend hinzufügt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.02.2003

Der von Itta Shedletzky herausgegebene Band "Es gibt ein Geheimnis in der Welt", der einen Vortrag des berühmten Kabbala-Forschers Gershom Scholems sowie ein Gespräch mit Muki Tsur erstmals vollständig aus den hebräischen Originalen zugänglich macht, hat Rezensent Thomas Meyer rundum überzeugt. Ein großes Lob geht dabei Shedletzky für die von ihr an den Tag gelegte Sorgfalt und ihr "luzides" Nachwort. "Vielleicht muss man ihn erlebt haben, wie er entzückt und genussvoll sagte: ?Er weiß es nicht! Der Scholem wird's erklären.'", zitiert Meyer aus dem Nachwort. Dem kann sich Meyer nur anschließen: "So war das". Was bleibe, sei die großartige Möglichkeit, den vielen Texten Scholems jene Sorgfalt angedeihen zu lassen, die er selbst zu seinem Maßstab machte, findet Meyer. Bei Shedletzky sieht Meyer eben dies realisiert. Kurz und gut: "Gershom Scholem zu lesen bleibt ein Genuss".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2003

Die in diesem Band versammelten Texte - der aus dem Jahr 1973 stammende Vortrag "Einige Betrachtungen zur jüdischen Theologie in dieser Zeit" und das kurz darauf geführte Gespräch mit seinem Schüler Muki Tsur - gehören zu Gershom Scholems eher unbekannten Texten, erklärt Rezensent Andreas Kilcher. Sie seien zuweilen "hoch theologisch", meistens allerdings anekdotisch, und das macht sie in den Augen des Rezensenten zu sehr "persönlichen" Dokumenten, die charakteristisch sind für Scholems mit dem Alter zunehmende Nüchternheit. Der "späte Scholem" sei zwar von den Idealen der "Entdeckung des Judentums, der hebräischen Sprache, des Zionismus und der Kabbala" nicht abgekommen, habe sie aber "zurückhaltender" und "unsicherer" formuliert. Kein Wunder also, dass Scholem hier eher Fragen aufwerfe, vor allem die eine, "nach der Stellung des Judentums und seiner Überlieferung in einer säkularisierten und technologisierten Welt". Scholem zeigt sich hier als "Denker des Widerspruchs", schreibt Kilcher, denn zum Einen betrachte er die Säkularisierung nicht nur als "unumgänglich", sondern als "fruchtbar", doch zum Anderen sei er enttäuscht über die sich daraus ergebende "Egalisierung" des 'heiligen Volks' zu einem Volk wie alle anderen Völker. Scholem formuliert diese Spannung in einer für den Rezensenten schlüssigen Paradoxie: "Mein Säkularismus ist nicht säkulär."
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