Gerrit Hogendorf

Der Tod als Erlösung vom Leiden

Geschichte und Ethik der Sterbehilfe seit dme Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland
Cover: Der Tod als Erlösung vom Leiden
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835311725
Gebunden, 224 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Mit farbigen Abbildungen. Die Debatte um die Euthanasie seit dem 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung für die aktuelle Diskussion um die Sterbehilfe. Ethische Fragen der Sterbehilfe und der Sterbebegleitung sind hochaktuell, aber nicht neu. Spätestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird über die Euthanasie, über einen durch den Arzt herbeigeführten guten und leichten Tod, diskutiert. Gerrit Hohendorf zeichnet die historische Debatte um die Euthanasie, ihre Verknüpfung mit dem Gedanken des "lebensunwerten Lebens" nach und verweist auf die Folgen, die diese Idee in der Zeit des Nationalsozialismus hatte: 300.000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen wurden unter dem Deckmantel des "Gnadentodes" ermordet. Der Autor plädiert jenseits einer rhetorischen NS-Analogie für ein behutsames Lernen aus der Geschichte: Die Debatte um die Euthanasie steht immer in der Gefahr, menschliches Leben als nicht mehr lebenswert zu beurteilen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2014

Iris Ritzmann hat viel gelernt aus der Studie des Medizinhistorikers Gerrit Hohendorf, die das Schicksal psychiatrisch Hospitalisierter im Dritten Reich aus Sicht der Opfer darzustellen versucht. Dass der Autor den insbesondere in der Euthanasie-Aktion T4 Ermordeten ein Gesicht verleiht, indem er ihre Geschichte erzählt, scheint Ritzmann ohne Beispiel in der Forschung zu sein. Wenn der Autor darüber hinaus versucht, die Logik hinter den Tötungen zu ergründen und die Arbeitsunfähigkeit als Hauptkriterium ausmacht, schaudert die Rezensentin. Ebenso, wenn sie über das Thema der Mitverantwortung von Verwandten der Opfer liest. Das Engagement des Autors, sein Feingefühl und seine methodische Sicherheit in der patientenorientierten Geschichtsforschung machen die Lektüre für Ritzmann jedoch letztlich zum Gewinn. Bei der Verbindung zu heutigen Sterbehilfediskussionen, die Hohendorf herstellt, scheint die klare Stellungnahme des Autors gegen die Sterbehilfe allerdings mitunter die Konfliktbeschreibung zu sabotieren, wie die Rezensentin moniert.