Gerbrand Bakker

Oben ist es still

Roman
Cover: Oben ist es still
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518420133
Gebunden, 315 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Helmer van Wonderen, Bauer wider Willen, macht klar Schiff. Er verfrachtet seinen bettlägerigen Vater ins Obergeschoss, entrümpelt Wohn- und Elternschlafzimmer, streicht Dielen, Fenster, Türen und Wände und schafft neue Möbel an. Das Gemälde mit den schwarzen Schafen, die Fotografien von Mutter und die alte Standuhr kommen nach oben, alle Pflanzen, die blühen können, auf den Misthaufen. Da Vater ihm nicht den Gefallen tut, einfach zu verschwinden, sich von einem Windstoß hinwegfegen zu lassen oder wenigstens zu sterben, richtet Helmer sein Leben unten neu ein. Seine ungelebten Träume kann er jedoch nicht so leicht entsorgen. Als er eines Tages unerwartet Post erhält, brechen sich Erinnerungen Bahn. "Henk hätte hier wohnen sollen. Mit Riet und mit Kindern." Henk, der Zwillingsbruder, ist lange tot. Riet aber lebt, und sie hat einen Sohn.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.08.2009

Eine in der Literatur selten anzutreffende Erlebenswelt führt dieser Debütroman des niederländischen Autors Gerbrand Bakker vor Augen. Was hier vorliegt, ist nämlich, so der Rezensent Tobias Heyl, ohne Zweifel ein "Bauernroman". Sein Held und Ich-Erzähler ist ein Mann, der erst nach dem Tod seines Zwillingsbruders den Hof übernimmt, dort aber, was zu erledigen ist, "mit fatalistischer Ruhe erledigt". Fasziniert ist der Rezensent vor allem von den anderen Rhythmen, die Bakker für die Welt des Bauernhofs findet, und vom genauen Auge des Autors für Details und Beobachtungen dieser Welt. Es gebe durchaus dramatische Momente und Wendungen, stellt Heyl fest, aber auch die noch werden mit beeindruckender Seelenruhe geschildert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2009

Wer in diesem Romandebüt des niederländischen Autors Gerbrand Bakker Action erwartet, wird laut Sabine Brandt enttäuscht werden, beschreibt sie doch das stille Drama eines vom Vater dominierten Sohnes. Die Rezensentin attestiert dem Autor Menschenkenntnis und findet die Schilderung dieser bedrückenden Vater-Sohn-Beziehung sehr plausibel. Dabei rätselt sie ein bisschen, inwieweit die Geschichte autobiografisch fundiert ist: Helmer wird vom Vater gezwungen, statt sein Literaturstudium abzuschließen, den Familienbauernhof zu übernehmen, weil der eigentlich dafür vorgesehene Zwillingsbruder verunglückt ist, fasst die Rezensentin zusammen. Weder gelinge es Helmer, die Liebe und Anerkennung des Vaters zu erringen, noch sich an ihm zu rächen, verrät Brandt, für die sich die Melancholie dieses Lebens zur Tragik verdichtet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.01.2009

Hinreißend, mitreißend, ergreifend - Rezensent David Hugendick schreibt enthusiasmiert über diesen Roman von einem Bauernsohn, der lieber Literatur studiert hätte, als den väterlichen Hof zu übernehmen, dort nun ?ein Leben in Konjunktiv? führt und seit Jahrzehnten auf den Tod des Vaters wartet. Auf jeder Seite spürt der Rezensent "existenzielles Vibrieren" und sieht in der ?Trübe der grau grundierten Landschaft und des ?morbiden Muffs des Hofs? Dialoge funkeln. Leben, Tod, Einsamkeit, verlorene Träume, all dieses sei uns schon so oft erzählt worden, jedoch noch nie so frisch - als habe Gerbrand Bakker das Sujet gerade erst erfunden. Dies sei der ?beste Bauernroman, der in den Niederlanden je geschrieben wurde?, schreibt Hugedick voller Emphase. Schon den Anfang empfand er als ?schweren Camus im Vorstadium?.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2008

Durchaus angetan ist Dorothea Dieckmann von Gerbrand Bakkers Provinzroman "Oben ist es still". Auch wenn das Buch keine aktuellen Probleme der niederländischen Gesellschaft thematisiert, sondern um eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung in der bäuerlichen Provinz kreist, wo es recht gemächlich zugeht, bescheinigt sie dem Autor, eine "drängende Dramatik" zu entfalten. Hin und wieder braucht man ihres Erachtens als Leser schon etwas Geduld, viel Zeit nimmt sich Bakker zum erzählen. Andererseits scheint ihr genau dies eine Qualität des Romans zu sein. Die Monotonie des Bauernlebens wird für sie so spürbar. Außerdem blitze der "rote Faden des virulenten Dramas" im grauen bäuerlichen Alltag "umso wirkungsvoller" auf. Trotz einiger Plattitüden schätzt sie Bakkers Erzählweise sehr und fühlt sich an eine Zeit erinnert, als das Erzählen noch nicht auf schnelle Oberflächenreize geeicht war.
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