A. F. Th. van der Heijden

Die Movo-Tapes

Roman
Cover: Die Movo-Tapes
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518419236
Gebunden, 762 Seiten, 26,80 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen-Blum. "Ich kann mich nicht mal richtig vorstellen, denn ich habe meinen Namen verhökert." Tatsächlich hat der göttliche Apollo bereits Anfang der 1960er, in Geldnöten befindlich, seinen guten Namen an die NASA verkauft für einen Pappenstiel, so dass der ehemalige Hausherr des Delphi-Orakels künftig vom Horoskopschreiben leben muss. Bei seinen Studien der menschlichen Natur stößt er auf den jungen Niederländer Tibbolt Satink, Jahrgang 1973 und seit seiner Geburt von einem Fußleiden geplagt. Deutet letzteres auf Tibbolt als einen modernen Ödipus? Einen, dem seine leiblichen Eltern fremd sind, einen, der von dem Liebespärchen, das sich 1973 bei Dreharbeiten zu einem Pornofilm kennenlernt, nichts weiß? Tibbolt hat große Pläne; so will er die wüsteste Hooliganschlacht Amsterdams anzetteln, vor allem aber die lästigen Begleiterscheinungen des menschlichen Lebens und Sterbens einem Alter ego mit Namen Movo (niederländisch kurz für "schlimme Füße") aufhalsen. An den Tapes, auf denen Tibbolt von seinem Vorhaben berichtet, ist nicht nur Apollo sehr interessiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2008

Der niederländische Autor A.F.Th. van der Heijden ist, da gibt es für Richard Kämmerlings gar keinen Zweifel, komplett größenwahnsinnig. Er scheut weder den Vergleich mit Proust noch mit Joyce, er stopft ohne Rücksicht auf Verluste die ganze abendländische Geistesgeschichte in seine stets riesig angelegten Romanzyklen. Eines allerdings muss der Rezensent dem Autor auch wieder zugute halten: Er ist wohl tatsächlich ungefähr so großartig wie er zu sein glaubt. In diesem Band, der seinen fast 800 Seiten zum Trotz nur der Auftakt zu einer wie immer genauestens durchkomponierten Trilogie ist, treten Apollo und Ödipus in Gegenwartsgestalt auf. Im Kern, falls es so etwas gibt, geht um einen zum Zeitpunkt des Erzählens bereits verstorbenen Schriftsteller, der sich in einen Amsterdamer Hooligan-Führer namens Movo verwandeln möchte. Dies ist überhaupt erst der Beginn der Geschichte und ihrer ganzen komplexen Verwicklungen, aber Kämmerlings hat so schon gut zu tun, die Erzählfäden für die Leser seiner Besprechung halbwegs auseinanderzusortieren. Der Einstieg in dieses neue van der Heijden-Universum, soviel räumt er ein, ist ein wenig anstrengend, am Ende aber wurde er süchtig und hat ernsthaft darüber nachzudenken begonnen, Holländisch zu lernen, um nicht zu lange auf die deutsche Übersetzung der im Original bereits erschienenen Fortsetzung warten zu müssen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2007

Nicht sehr überzeugt hat Rüdiger Nüchtern A.F.Th. van der Heijdens Roman "Die Movo Tapes". Nach dessen über dreitausendfünfhundert Seiten langen Zyklus "Die zahnlose Zeit" folge nun, so der Rezensent, mit der auf acht Bände angelegten Ödipus-Adaption "Homo Duplex" ein weiteres "Prosa-Labyrinth" von monströsen Ausmaßen, eingeleitet durch "Die Movo-Tapes". Der Titel bezieht sich auf die Tonbandkassetten, die die Hauptfigur Tibbolt Satinkt, mutmaßlicher Sohn zweier Porno-Darsteller, auf Spritztouren in seinem Sportwagen bespricht. Laut dem Rezensenten strebt Satinkt danach, sich in "Movo" zu verwandeln (was das genau ist, erklärt der Rezensent leider nicht), um der Endlichkeit ein Schnippchen schlagen. Die fiktive Story ist mit zeitgeschichtlichen Momenten wie der Mondlandung verwoben. Anscheinend, so vermutet er, wolle der Autor mit diesem symbol- und bilderschwangeren Roman gegen die literarische "Kargheit" der niederländischen Literatur protestieren. Herausgekommen sei aber leider eine Fahrt durch ziemlich "zähes Gelände".
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