Erwin Mortier

Meine zweite Haut

Roman
Cover: Meine zweite Haut
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518416143
Gebunden, 177 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Anton verbringt seine Kindheit in der Obhut von Vater, Mutter, Tanten und Onkeln, als einziges Kind einer Großfamilie, die ein Haus an der Küste Flanderns bewohnt. Auf seinen häuslichen Entdeckungsreisen erobert er sich nicht nur den Zugang zur Welt und zu den Geschichten der Erwachsenen, sondern auch den zur Sprache: Nach und nach bekommen die Dinge für Anton einen Namen. In die Geborgenheit bricht eines Tages ein rüpelhafter Cousin ein. Anton ist von diesem Roland fasziniert und abgestoßen zugleich. Während Roland als typischer Vertreter seines Geschlechts die klassische Laufbahn als Fußballspieler und Mädchenverführer ohne Hang zu allzuviel Grübelei einschlägt und sich in seiner Körperlichkeit wohl fühlt, zögert Anton bei den Schritten ins Erwachsenwerden, bleibt Außenseiter, ein aufmerksamer Beobachter äußerer wie innerer Veränderungen, die teils komisch, aber nicht selten auch schmerzhaft sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2004

Dorothea Dieckmanns Kritik an diesem zweiten Roman des flämischen Autors Erwin Mortier ist vernichtend, aber sie lastet die gravierenden Schwächen des Buches nicht dem Autor allein an, sondern macht auch den Literaturbetrieb dafür verantwortlich. Während das erste, von der Kritik hochgejubelte und mit Preisen überschüttete Buch Mortiers von den niederländischen "Standardthemen "Kindheit" und "Besatzungszeit" handelt", beschränkt sich der vorliegende Roman ganz auf das Kindheits-Thema, stellt die Rezensentin fest. Das Buch erzählt aus der kindlichen Perspektive von Anton, dessen Kindheit abrupt mit dem Tod eines Mitschülers endet, fasst sie zusammen. Sie ist geradezu "erschüttert" zu sehen, wie die durchaus genauen und treffenden Wahrnehmungen des Kindes durch das "ornamentale Gestrüpp der Bilder" überwuchert wird und sieht in den "wachsenden literarischen Ansprüchen" Mortiers, die sie darin erkennt, mit Bedauern die "Bedeutung" verschwinden. Jede Nebensächlichkeit wird in diesem Roman zum "Exerzierplatz für Sprachübungen" breitgewalzt, beschwert sich Dieckmann, die zudem findet, dass das übergroße "Pathos" der Geschichte von der Handlung nicht getragen wird. Daran gibt sie auch der der Übersetzerin Ira Wilhelm eine Mitschuld, sie wirft ihr Fehler im Tempus, in der Verwendung der Konjunktive und schlimmer noch "Wortgedrechsel" vor.

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