A. F. Th. van der Heijden

Die Schlacht um die Blaubrücke

Roman
Cover: Die Schlacht um die Blaubrücke
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412282
Gebunden, 168 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Helga von Beuningen. Niederlande, Amsterdam, 1980, 29./30. April, Königinnentag, Juliana dankt ab, Beatrix tritt ihre Nachfolge an. Am 30. April wird nicht nur der Geburtstag von Juliana begangen ? an diesem Tag hat auch Albert Egberts Geburtstag. Der wurde jedoch wegen demjenigen des Staatsoberhauptes nie gefeiert. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass er nun ganz unten angelangt ist: Als Heroinsüchtiger verschafft er sich das Geld für die Droge, indem er Autos aufbricht. Doch in dieser Nacht passt er nicht auf und wird von einem im Auto sitzenden Hund in den Arm gebissen. Albert Egberts gerät an die Spitze des Demonstrationszuges gegen die Krönung und kämpft an vorderster Front bei der Schlacht um die Blaubrücke.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.08.2001

Seit 1983 arbeitet der niederländische Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden an dem vierbändigen Romanzyklus "Die zahnlose Zeit" über die siebziger und achtziger Jahre in den Niederlanden und den drogenabhängigen Protagonisten Albert Egberts, der danach trachtet, das Leben nicht in die Länge, sondern in die Breite zu ziehen, berichtet Hans-Martin Hennig, der es versteht, den komplizierten Inhalt und die komplizierte Struktur des Mammutprojekts, das er mit Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" vergleicht, in seiner Besprechung brillant zu interpretieren. "Die Schlacht um die Blaubrücke" ist der Prolog dieses Projekts, in ihm beschreibt der Autor in drei Kapiteln und einem Epilog die Abenteuer einer Nacht und eines Tages, in denen sich Zerstörung und Aufbruch die Waage halten, meint der Rezensent. Mit einem dynamisch-statischen Kompositionsverfahren collagiere van der Heijden alle Momente der Lebensgeschichte seines Protagonisten, das der Autor als Happening und Gesamtkunstwerk, Oper, Ballett, abstrakte Malerei und Slapstick, als vitalen Komplex aus individueller und gesellschaftlicher Geschichte inszeniert habe, analysiert Hennig.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.07.2001

Die Geschichte über den heroinabhängigen Albert Egberts ist nicht schnell erzählt und schon gar nicht schnell verstanden. Denn "Die Schlacht um die Blaubrücke" ist nur ein Teil des siebenbändigen, mehr als 3000 Seiten umfassenden Romanzyklus "Die zahnlose Zeit" des 50-jährigen niederländischen Schriftstellers A. F. Th. van der Heijden. Und im Deutschen sind die einzelnen Texte dieses Zyklus noch nicht einmal chronologisch erschienen. Gerrit Bartels findet diese Veröffentlichungspraxis des Verlags kongenial, denn für den Rezensenten entspricht sie dem ungeordneten und ausufernden Erzählen des sprachmächtigen Autors. Für Bartels steht außer Frage, dass van der Heijden ein grandioses Werk über die Erinnerung verfasst hat, dem "Die Schlacht um die Blaubrücke" als Prolog oder Ouvertüre vorangestellt ist. Den Leser erwarten allerdings, warnt der Rezensent, Spots, Bruchstücke und Schnipsel aus dem Leben des Protagonisten. Denjenigen, denen dieses Leben bereits aus den veröffentlichten Zyklus-Teilen bekannt ist, verspricht Bartels viele Déjà-vus. Erstleser von van der Heijden aber müssen sich schon auf etwas Chaos einstellen, wenn auch, ist der Rezensent überzeugt, die Freude auf die Lektüre des gesamten Zyklus dadurch sicher gesteigert wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2001

Ein Proust der Achtziger oder nur der Mief politischer und gesellschaftlicher Stagnation? Roman Bucheli weiß noch nicht recht. Einerseits gehört dieser bereits 1983 im holländischen Original veröffentlichte Prolog zu einem Romanzyklus mit dem Titel "Die zahnlose Zeit", der "inhaltlich wie formal zunehmend Proustsche Dimensionen annimmt", und verfügt sogar über einen den "Madeleines" vergleichbaren Ausgangspunkt der Erinnerungsarbeit (um die das Buch kreist), andererseits ist die Madeleine hier ein profaner wie schmerzhafter Hundebiss und die Verschränkung von gegenwärtigem Erleben mit Erinnerungsresten stellt der Autor unter ein Leitmotiv, das dem Rezensenten mitunter "gesucht" erscheint. Aber dann, im Schlusssatz seiner Besprechung, fließt Bucheli doch noch ein Lob aus der Feder, dass den Vergleich des Autors mit Proust opportun erscheinen lässt: Der Roman, steht da, gerate zu einer großen Reflexion über das Wesen der Erinnerung - und man ahne die Schwierigkeiten und erfahre die noch größeren Beglückungen, wenn die Literatur sich ihrer annimmt.
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