Gerbrand Bakker

Juni

Roman
Cover: Juni
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518421390
Gebunden, 320 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Die Königin kommt. Und das Dorf im nördlichsten Zipfel der Niederlande steht kopf. Mitten drin im Trubel dieses Junitages 1969 ist die Familie Kaan. Zwei der Söhne schwenken Fähnchen vor dem Gemeindehaus, und der kleinen Tochter auf dem Arm ihrer Mutter Anna streicht Königin Juliana höchstpersönlich über die Wange. Vierzig Jahre später ist es ruhig geworden auf dem Hof der Kaans. Drei Generationen leben jetzt dort, das alte Bauernpaar, Sohn Klaas und seine Familie. Aber Vieh gibt es außer dem Stier und dem Hofhund keines mehr. Und daß Altbäuerin Anna sich regelmäßig mit einer Flasche Eierlikör und ihrer Seelenlast im Gepäck auf den Heuboden zurückzieht - wo ihr lediglich der stoisch kauende Stier Gesellschaft leisten darf -, wird von der Hofgemeinschaft stillschweigend akzeptiert. Nur die fünfjährige Dieke wundert sich. Was vor vierzig Jahren dem Leben ihrer Familie eine völlig andere Richtung gegeben hat, offenbart sich dem Leser erst nach und nach.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2010

Sehr eingenommen zeigt sich Rezensentin Andrea Lüthi von Gerbrand Bakkers Roman "Juni". Der an einem brütend heißen Sommertag an nur zwei Schauplätzen - einem Friedhof und einem Bauernhof spielende Roman zeichnet sich für sie durch seine Verdichtung der Atmosphäre aus. Auch wenn kaum etwas passiert - die Figuren, Mitglieder einer Bauernfamilie, erinnern sich an Vergangenes, einen Unfall vor vierzig Jahren, als die Tochter der Bäuerin überfahren wurde - entwickelt das Buch nachs Lüthis Empfinden einen ungemeinen Sog. Dies liegt in ihren Augen vor allem an der "kraftvollen, lakonischen Sprache" des Autors sowie an der "Stärke seiner Bilder".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2010

Wiebke Porombka taucht tief in die Trostlosigkeit des zweiten Romans von Gerbrand Bakker ein, woraus sie nur das untergründige Gefühl einer gewissen "Konstruiertheit" etwas aufschreckt. Er erzählt von drei Generationen, die auf einem maroden niederländischen Bauernhof leben und die von den Schatten eines vierzig Jahre zurückliegenden Unfalls gebannt scheinen, erfahren wir. Lakonisch und verschwiegen wie seine Figuren entfaltet der niederländische Autor das zurückliegende Unglück, doch der Rezensentin will es mitunter dennoch zu plakativ erscheinen, wie Bakker Tragik und verborgenen Schuld enthüllt. Trotzdem, so scheint es, ist Porombka von der Stagnation, dem "Stillstand" und der Bitterkeit, die diesen Roman grundieren und ihm etwas zutiefst Fatalistisches geben, ziemlich beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2010

Die Tristesse eines dem Verfall anheim gegebenen nordholländischen Bauernhofs lernt Jutta Person in Gerbrand Bakkers neuem Roman "Juni" kennen, und er entwickelt damit einen "Sog", dem sich die Rezensentin offensichtlich gerne hingegeben hat. Viel passiert nicht, lässt die Rezensentin wissen. Der Schatten eines Jahrzehnte zurückliegenden tragischen Unfalls liegt auf dem zunehmend bröckelnden Hof und seinen Bewohnern, den der Autor in ausgeprägter Lakonie mit immer wieder aufflammendem "staubtrockenen Witz" evoziert, so Person gefesselt. Dass der Autor dabei auch noch eine "schwule Coming-of-Age-Geschichte" einzuflechten weiß, gefällt der Rezensentin ebenfalls.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.06.2010

Ulrich Baron feiert Gerbrand Bakkers zweiten Roman "Juni" über den Verfall einer Bauernfamilie als großartiges "Kammerspiel" und meisterliches Stück niederländischer Mentalitätsgeschichte. Erzählt wird die Geschichte der Familie Kaan, die nach einem tragischen Unfall der kleinen Tochter, den Niedergang ihres Hofes nichts entgegenzusetzen haben, erfahren wir. Nur die 5-jährige Enkeltochter trägt eine gewisse Lebendigkeit und hartnäckige Fragen in die resignierte und stagnierende Hofwelt, lässt der Rezensent wissen, der insbesondere Bakkers subtile Figurenperspektiven bewundert. Dass sich der niederländische Autor dabei nicht von aktuellen Literaturtrends beeinflussen lässt und unbeirrt, dabei mitunter mit ironischem Unterton, den niederländischen Strukturwandel illustriert, macht den Roman für den begeisterten Rezensenten zur "Gegenwartsliteratur im besten Sinne".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.05.2010

Auf Figuren, die ihr Schicksal in den eigenen Händen halten, trifft Rezensentin Sabine Peters in diesem Roman von Gerbrand Bakker. Allerdings geht dem ein Schicksalsschlag voraus und der nie geglückte Versuch vollständigen Erinnerns. Peters erfährt das durch eine feingesponnene Textur, lakonische Sprache, innere Monologe und schroffe Dialoge, die zur ländlichen Umgebung der Geschichte und den eigenwilligen Charakteren passen. Bemerkenswert erscheint ihr das nur Angedeutete und die Fähigkeit des Autors, sich auch in die Perspektive eines fünfjährigen Kindes zu versetzen oder Homosexualität zu schildern, ganz unprätentiös. Keine leichte Lektüre, findet Peters, weil Versöhnung ausbleibt, dennoch eine lohnende, lässt sie uns wissen.
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