Vorliegende Neuausgabe der "Dichtungen und Briefe" von Georg Trakl macht erstmals völlig unbekannte Texte des Lyrikers zugänglich, die in letzter Zeit gefunden wurden. Dazu zählen 15 Gedichte der "Sammlung Richard Buhlig", die Marty Bax (Amsterdam) im Archiv der California State University Long Beach bei Recherchen entdeckt hat, oder das Gedicht "Hölderlin", das von einem Wiener Antiquariat angeboten wurde. Literarische Texte, die erst nach dem Erscheinen der ersten Taschenbuchausgabe veröffentlicht worden sind, werden ebenfalls in diesen Band aufgenommen. Dass Trakl sich auch mit dem literarischen Leben seiner Zeit beschäftigt hat, wird an der Rezension eines Gedichtbandes deutlich. Ein weiterer, bisher unbekannter Brief an Adolf Loos belegt das freundschaftliche Verhältnis zu dem Wiener Architekten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2020
Rezensent Lorenz Jäger schwelgt in dem von Hans Weichselbaum herausgegebenen Band mit Dichtungen und Briefen Georg Trakls. Der bleibende Eindruck beim Lesen der Gedichte ist für den Rezensenten der eines sehr genauen und um den richtigen Ausdruck bemühten "arbeitenden" und verantwortungsvollen Dichters. Wie genau das im Austausch mit seinem Herausgeber vonstatten ging, kann Jäger anhand der Briefe gut nachvollziehen. Die Gedichte selbst vermitteln ihm die "herzzerreißende", für Trakl typische Stimmung, intensive Trauer, Feierlichkeit sowie immer wieder die inzestuöse Beziehung zur Schwester, dem einzigen Gegenüber in den Texten und Ebenbürtige, wie Jäger feststellt und zitiert: "Leise der Flug der Vögel tönt, / Die Schwermut über deinen Augenbogen. / Dein schmales Lächeln tönt."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.09.2020
Andre Hatting freut sich über die von Hans Weichselbaum herausgegebenen Dichtungen und Briefe Georg Trakls. Die neue Werkausgabe hält er für überfällig. Überrascht wird er nicht nur mit unveröffentlichten Briefen Trakls an Wittgenstein, sondern auch mit frühen Gedichten, in denen sich der Meister der Herbststimmung durchaus "euphorisch und motivierend" präsentiert. Wie schön Schwermut klingen kann, lässt sich laut Hatting indes kaum besser studieren als an Trakls Texten.
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