Geert Buelens

Europas Dichter und der Erste Weltkrieg

Cover: Europas Dichter und der Erste Weltkrieg
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518424322
Gebunden, 459 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert. Im sonnenüberfluteten Europa entflammte im Sommer 1914 eine bis dahin beispiellose Form von Kriegshysterie. Millionen Männer zogen singend an die Front. Dichter standen dabei überall in vorderster Linie. Englische war poets und deutsche Expressionisten, französische Dadaisten und russische Futuristen, flämische, ungarische, baltische Akteure kämpften nicht nur mit der Waffe, sondern auch mit dem Wort. Innerhalb der europäischen Nationen und ethnischen Volksgruppen wogten nationales oder befreiungsbewegtes Pathos, Internationalismus und weltrevolutionäre Emphase, Desillusion, Hass und Verzweiflung unrhythmisch auf und nieder.
Geert Buelens liefert mit seinem Buch ein wahrhaft europäisches Panorama, nicht nur der Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch und vor allem der Menschen, die sie schrieben. Er bezieht dabei neben bekannten Protagonisten wie Pessoa, Majakowski, Marinetti, Apollinaire, Trakl, Sassoon auch viele andere, weniger bekannte Dichter mit ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2014

Geert Buelens untersucht in "Europas Dichter und der Erste Weltkrieg" mit einer erfreulich paneuropäischen Perspektive und noch erfreulicherer Einbeziehung kleiner Staaten und verschiedener Minderheiten die Lage der Dichtung kurz vor, im und kurz nach dem Ersten Weltkrieg, berichtet Niklas Bender. Die "Sucher blauer Blumen" und "Flüsterer im Elfenbeinturm" zeigten sich größtenteils erstaunlich gewaltaffin, erfährt der Rezensent, beinahe sämtliche -ismen der Zeit, Symbolisten, Futuristen, Expressionisten, Sozialisten, Nationalisten und Internationalisten, begrüßten den Krieg als Aufbruch aus gesellschaftlicher, sprachlicher oder allgemein künstlerischer Enge. Seine spannenden Ausführungen durchsetzt Buelens mit Zitaten, von denen Bender besonders dieses von Uri Zvi Grinberg erschüttert hat: "Ich bin die Eule, der Klagevogel des Schmerzwalds in Europa. / In den Tälern Pein und Grauen, blinde Mitternächte unter Kreuzen", zitiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2014

Sichtlich beeindruckt ist Rezensent Manfred Koch von Geert Buelens' voluminöser Gesamtschau der europäischen Lyrik im Ersten Weltkrieg. Ihm imponiert die staunenswerte Rechercheleistung und eine große Fähigkeit, den umfangreichen Stoff gekonnt aufzuarbeiten und lebendig darzustellen. Er hebt den komparatistischen gesamteuropäischen Ansatz des Werks hervor, das den Blick auch auf weniger bekannte Dichter aus den europäischen Ländern lenkt, die in kurzen Porträts mit ihren Kriegserlebnissen und ihren Gedichten vorgestellt werden. So liest sich das Werk für Koch wie eine "anschauliche Geschichte des Ersten Weltkriegs am Leitfaden der leidenden (und sterbenden) Dichter". Die Gedichte kommen zu seinem Bedauern dabei etwas zu kurz, da sie aufgrund der schieren Stofffülle nicht differenzierter analysiert werden können und für sich selbst sprechen müssen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.06.2014

Dass Krieg nicht nur ein Interessenskampf ist, sondern eine "Umleitung der Wucht diffuser Volksgefühle" in literarische Überhöhung, in verschriftlichte Zweifel und Lügen, führe der vorliegende Band des Literaturwissenschaftlers Geert Buelens dem Rezensenten Jürgen Verdofsky  vor Augen. Buelens habe ein entscheidendes Werk, eine enzyklopädische Sammlung kriegsnaher Dichtung, geschaffen. Die einzelnen Stimmen der Autoren - manche wirr, andere entschlossen oder besonnen - zusammengefasst, gefächert und miteinander in Beziehung gesetzt, stellt "Europas Dichter und der Erste Weltkrieg" nach Verdofsky das Resultat beeindruckender Arbeit dar. Dieses intelligente Kompendium mache die Stimmung um 1912 erfahrbar und Buelens roten Faden - Krieg sei geistiges Versagen - nachvollziehbar, meint der Rezensent und legt jedem die Lektüre nachdrücklich ans Herz.