Aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg. Er betreibt sein Metier in den belebten Straßen Tokios und den überfüllten Wagen der U-Bahn. Er stiehlt mit kunstvollen, fließenden Bewegungen. Er nimmt nur von den Reichen, Geld bedeutet ihm nichts. Er hat eine dunkle Vergangenheit, und diese holt ihn wieder ein. Die Beziehung zu einem kleinen Jungen, der ihn sich als Vaterfigur ausgesucht hat, macht ihn dabei verletzlich. Ein Thriller und eine dunkle, abgründige Geschichte über Schicksal und Einsamkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2016
Carsten Germis taucht tief ein in Tokios Unterwelt mit Fuminori Nakamuras Noir-Roman. Wie die japanische Mafia und die gesellschaftlichen Eliten zusammenhängen, versteht er nach dieser Lektüre besser. Dass der Autor Dostojewski, Kafka, Osamu Dazai und den klassischen Noir verrührt, um nüchtern und mit minimalistischen Mitteln die finstersten Seiten des Menschseins zu vermitteln, scheint Germis legitim. Ebenso scheint ihm die Trennung zwischen E- und U-Literatur bei Nakamura aufs Wunderbarste aufgehoben.
Christiane Müller-Lobeck ist begeistert von Fuminori Nakamuras erstem auf Deutsch zu lesendem Buch. Als literarische Präzisionsarbeit bezeichnet sie Nakamuras zwischen Thriller und philosophischer Betrachtung des Verbrechens changierenden Text, der sie natürlich an "Verbrechen und Strafe" erinnert, aber stimmungsmäßig auch an Kafka. Wie der Autor die Geschichte eines Profidiebes erzählt, dessen kühle Perfektion durch einen jungen Nachwuchsdieb auf die Probe gestellt wird, minimalistisch, unprätentiös, geschmeidig und zugleich popkulturell bewandert, das findet die Rezensentin stark.
Fuminori Nakamura ist das nächste große Ding in der japanischen Literatur nach Murakami, prophezeit Rezensent Elmar Krekeler. Der Mann schreibt eigentlich "Hochliteratur", erkennt Krekeler, auch wenn dieser Roman über einen Dieb, der seine Kunst wie "eine Art Teezeremonie" praktiziert, als Krimi gehandelt wird. Mord, Politik, fette Hunde, ein kleiner Junge und ein Turm spielen eine Rolle, so Krekeler. Näheres verrät er nicht, nur dass dieser Roman ihn restlos begeistert hat. Und ein literarisches Stilmittel erwähnt er noch: eine "aus Überpräzision geborene Unschärfe", die Personen und Orte auszeichnet.
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