Mit einem Nachwort von Christoph Haacker. Bei den Reisen in seine eigene Vergangenheit erinnert Fritz Beer an etliche Begegnungen: mit der Freundin Milena Jesenska und Louis Fürnberg, mit Thomas Mann und Ernst Bloch, Egon Erwin Kisch und Julius Fucik, Erwin Piscator und Bertolt Viertel, mit F. C. Weiskopf und Johannes R. Becher, mit Jesse Thoor und Gustav Regler, mit Eduard Goldstücker und Ludvik Vaculik, mit Rudolf Slansky und Prince Charles... "Kaddisch für meinen Vater" ist ein Querschnitt aus dem literarischem Schaffen Fritz Beers, drei Dutzend überwiegend unveröffentlichte Texte aus sechs Jahrzehnten, entstanden zwischen 1941 und 2002. Aus den Erfahrungen seines bewegten Lebens - seinem Judentum, der Flucht aus Prag ins Exil, dem Bruch mit dem Kommunismus nach dem Hitler-Stalin-Pakt, dem Kampf als Soldat gegen Nazideutschland, der Ermordung seiner Familie - entwickelt Beer seine Positionen in den politischen Debatten der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2003
Als "bemerkenswertes Lebensbuch" würdigt Rezensent Karl-Markus Gauß den Band "Kaddisch für meinen Vater", der Reden, Essays, Erinnerungen, Erzählungen des heute nahezu vergessenen Schriftstellers Fritz Beer versammelt. Die Texte des Bandes rufen Beer zur Freude von Gauß als "streitbaren Publizisten und Polemiker" wieder in Erinnerung. Sie stellen Beer nicht nur als "scharfsichtigen Essayisten", sondern auch als "glänzenden Erzähler" vor, berichtet Gauß. In diesem Zusammenhang zeigt sich Gauß verwundert darüber, dass Beers Kriegsnovellen, die er 1949 unter dem Titel "Das Haus an der Brücke" veröffentlichte, nicht zu Klassikern wurden. Mit wenigen Strichen skizziere Beer hier ausweglose Situationen, in denen sich der Einzelne als Wesen mit einem freien Willen zu bewähren habe - "atmosphärisch dichte, perfekt gebaute Kurzprosa", findet Gauß. Das Nachwort von Christoph Haacker, das Leben und Werk Beers aus ihren mitteleuropäischen Bedingungen heraus erklärt, lobt Gauß als "ausgezeichnet". Auch die sorgfältige und schöne Aufmachung des Buches haben Gauß überzeugt: "?Kaddisch für meinen Vater'", resümiert der Rezensent, "bringt einen Autor in Erinnerung, der sich mit schneidender Energie selbst befragt und beschwichtigende Antworten verweigert."
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