Klappentext
Mit diesen Essays, die durchwirkt sind von eigenen Erlebnissen und Begegnungen, reiht sich Artur Becker erneut ein unter die Kosmopolen, die mehr sind als kosmopolitisch. Seine Landleute um Jerzy Giedroyc prägten das Wort, das, im französischen Exil, die Position der kritischen Intellektuellen aus Polen im Klima des Kalten Kriegs beschrieb. Sie waren allesamt Freigeister, die in Paris zusammenkamen, um sich gegen jedweden Totalitarismus zu stellen, ausgehend von ihren Erfahrungen als Polen, mit dem Stalinismus oder noch der Nazizeit. So haben kritische Denker wie Czesław Miłosz, Nobelpreisträger von 1980, Witold Gombrowicz, der GULAG-Überlebende Gustaw Herling-Grudziński, der Philosoph Leszek Kołakowski und Jan Czapski - Kosmopolen in Kalifornien, Buenos Aires, Neapel, Paris - ihren Ehrenplatz in diesen Texten. Artur Beckers Perspektive als Pole und deutscher Schriftsteller zugleich läßt ihn mit Nähe wie mit Distanz auf die deutschen Verhältnisse schauen, in Sorge um das, was in Deutschland angesichts eines neuen Antisemitismus und vermeintlicher Querdenker auf dem Spiel steht. Ebenso entlarvt er, wie die PiS-Partei in Polen auf alte Rezepte setzt, um ihre Macht zu sichern, während er - als Gegenmittel - auf fruchtbare polnische-deutsche Kulturbe-ziehungen verweist. Artur Beckers Einlassung auf neue Horizonte schließt ein, was er bei Reisen in Chile, Südafrika oder Japan über den Umgang mit der Vergangenheit und dem Heute erfährt, seine Solidarität gilt der Ukraine, die weit mehr als ihre eigene Freiheit verteidigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.01.2026
Rezensent Christian Thomas durchleuchtet in seiner Doppelkritik eigentlich Artur Beckers gesamtes Werk; Anlass ist aber der neue Erzählband "Von Barschen, Augustäpfeln und anderen Menschen" und auch auf den 2024 erschienenen Essayband "Schwarze Servietten auf meinem Herzen. Aus dem Leben der Kosmopolen" kommt Thomas zu sprechen. Aus letzterem erfährt der Kritiker Wichtiges zur persönlichen und politischen Herkunft des Autors: Es geht um das "mythische Masuren" im Nordosten Polens, wo Becker aufwuchs, wo der Zauber der Natur und der Horror eines "ideologisierten Staates" herrschten, wie Thomas die Darstellung des Autors wiedergibt. Auch die Emigration als 17-Jähriger nach Deutschland ist dort Thema; mit "Diasporamenschen" sei entsprechend Beckers literarisches Werk bevölkert. Wie "divers" auch im neuen Erzählband die Erzählstimmen ausfallen, die der Autor zu Wort kommen lässt - vom "ausgefuchsten Schelm" bis zum "robusten Schwadroneur" -, und wie sich Becker sprachlich dabei mit Haut und Haar dem einen oder anderen hingebe, inklusive überbordender Metaphern oder "gewagter" Vergleiche, scheint der Kritiker äußerst staunenswert zu finden. Für Thomas zwei weitere bestechende Zeugnisse von Beckers bombenfest in Realität und Geschichte verankertem, dabei noch gekonnt aufs Magische ausgreifendem Werk - er wirkt schwer beeindruckt.