Vorbei die Zeiten, da Lernen als Sache der Kinder und Jugendlichen galt. Lebenslanges Lernen ist verlangt. Doch wie lernt Hans, was Hänschen nicht lernte? Lernen zu untersuchen trifft auf gelebte Widersprüche. Oft lernt es sich ungewollt, während man vergisst, was man lernen will. Viele reagieren auf frustrierende Verhältnisse mit Lernwiderstand und tragen so zu deren Versteinerung bei. Solche "versteinerten Verhältnisse zum Tanzen zu bringen", bedarf es vielerlei Anstrengungen, die von den lernenden Subjekten selbst ergriffen werden müssen, um befreiend zu sein. Daher geht die vorliegende Untersuchung subjekttheoretisch vor. Sie dokumentiert und analysiert Erinnerungsarbeit der Subjekte selbst. Zugleich versucht sie, die Erfahrungen in geschlechtstypischer Selbstwahrnehmung zu verorten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.07.2003
Frigga Haugs Untersuchung von Lernbeziehungen und der Dynamik des Lernens ist nach Ansicht von Rezensent Frank Keil keine "leichte Kost". Wer allerdings über die "Fähigkeiten des Überblätterns und Durchkämpfens" verfügt, befindet Keil, der wird mit "interessanten Lesestoff" belohnt. Haug setze sich nicht nur mit den Lerntheorien der humanistischen Psychologie auseinander, sie unternehme auch einen "unlarmoyanten Rückblick" auf ihre eigene Zeit als Lehrende und frage, "ob und wie sie als Lehrende ihren Schützlingen das Lernen leicht, schwer oder gar unmöglich gemacht hat". Bei aller positiver Bewertung des Lernens verschweige Haug nicht, dass es auch eine Quelle der Qual, der Mühen, der Ängste, ja ein Feld des Scheiterns, der Blockaden, der Verweigerung sein könne. Haug gehe es dabei vor allem darum, das Widerständige "nicht als Dysfunktionales wegzubügeln", erklärt Keil, "sondern es als Ursprung aller Neugier zu nutzen."
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