Herausgegeben von Dietrich E. Sattler. Der abschließende, der Form nach nochmals neue Band FHA 20: Chronologisch-integrale Edition , enthält, in Auszügen oder auch vollständig, das Werk und die Korrespondenz in zeitlicher Folge, ebenso wie Hinweise des Herausgebers zur Anordnung und Abweichungen gegenüber den erschienenen Bänden, auf die bei jedem Segment verwiesen wird. FHA 20 ist damit als Zusammenfassung und Revision der langjährigen Arbeit an Hölderlins Werk zu lesen.
Das Erscheinen dieses letzten Bandes nutzt der hier rezensierende Schriftsteller Narvid Kermani noch mal für einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte dieser epochalen Edition, um sich schließlich dem Urteil von Jürgen Habermas anzuschließen, dass sie das bleibende Verdienst von 68 sei: eine Revolution aus Schrifttypen, je nach Textschicht von leichter Grotesk über schmale Grotesk schwer bis schwere Grotesk. Auch versöhnt den Rezensenten dieser 20. Bad mit einer Hauptschwäche des verdienstvollen Werks: dass sich nämlich nichts festlegen lasse. In diesem Band nämlich führe der Herausgeber die bereits edierten Werke "nachträglich mit der Korrespondenz" zusammen, weshalb für den Rezensenten damit der Begriff "historisch-kritisch" wenigstens "formal bestimmt" worden ist.
Mit dieser Besprechung des 20. und abschließenden Bandes von Dietrich Eberhard Sattlers epochaler und schulemachender Hölderlin-Edition verneigt sich Rezensent Jürgen Berger würdigend auch noch einmal vor dem Gesamtvorhaben, dem Sattler seinen Informationen zufolge 33 Jahre seines Lebens verschrieb. Sattler sei damit zum Begründer einer Editionspraxis geworden, die dem Leser die Möglichkeit gab, zum "Mitforscher" zu werden. Im vorliegende Band sieht der Rezensent den Hölderlin-Herausgeber noch einmal "durchwandert" und die vergangenen Bände auf sechshundert Seiten chronologisch (statt wie zuvor gattungsspezifisch) zusammengefasst. Wie alle anderen bietet auch dieser "grüne Backstein" dem Rezensenten potenziellen Lesestoff für eine Weltumrundung. Und Anschauung der Zeit als "Ordnungskraft" einer "prozessualen Textdarstellung".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2008
Dietrich Sattlers Hölderlin-Edition, deren abschließender Band nun vorliegt, hat bei Manfred Koch einen ambivalenten Eindruck hinterlassen. Auf den 20. Band selbst geht er kaum ein, berichtet aber ausführlich über die Geschichte der Frankfurter Hölderlin-Ausgabe (FHA), eines monumentalen Projekts, das für ihn Züge einer "Heldentragödie" hat. Danach erscheint Sattler als Außenseiter im germanistischen Betrieb, der die institutionalisierte Wissenschaft aufmischt, von Fachgelehrten erst geschmäht, dann gerühmt wird, am Ende aber messianisch verblendet in die Irre geht. Besonders hebt Koch dessen Editionsverfahren hervor, das mit dem Abdruck von Faksimiles dem Leser die Entwicklung der Werke Hölderlins nachvollziehbar macht. Überaus kritisch sieht er allerdings das mit den Bänden 7/8 aus dem Jahr 2000 eingeführte "chronologisch-integrale" Editionsverfahren, das die Gedichte als "Segmente" eines anwachsenden "kumulativen" Übertextes betrachtet. Auf Koch wirkt das Ganze höchst chaotisch. "Man kann fraglos immer noch viel aus diesen Bänden lernen", resümiert er, "den Anspruch einer historisch-kritischen Ausgabe erfüllen sie aber nicht mehr."
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