Hansjörg Bay unternimmt eine grundlegende Neulektüre von Hölderlins Hyperion-Roman. In kritischer Auseinandersetzung mit dem für die bisherige Rezeption charakteristischen Modell gelingender Entwicklung beleuchtet er die Brüche und Aporien des Textes und befragt sie auf ihren historischen Gehalt. Seine genaue, vielschichtige diskursive Kontexte miteinbeziehende Lektüre zeigt, wie der Roman vorangetrieben wird von einem intensiven, in immer neuen Spielarten sich artikulierenden Verlangen nach Harmonie und Vollkommenheit, wie dessen Erfüllung jedoch immer wieder scheitert und wie es gerade durch dieses wiederholte Anlaufnehmen und Scheitern hindurch problematisiert werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2004
Der Begriff "Durcharbeitung" kommt aus der psychoanalytischen Schule, deren Lesart Hansjörg Bay seinem Hölderlin-Buch zugrunde gelegt hat, wie der Rezensent mit dem Kürzel "kru" erklärt. Eine der Hauptthesen des Autors sei, referiert "kru", dass sich Hölderlin mit seinem Briefroman "Hyperion" in die Moderne durchgearbeitet habe. Wie jede "Durcharbeitung" sei dies ein schmerzhafter seelischer Prozess, stellt "kru" fest, dem das Scheitern als Möglichkeit stets einprogrammiert sei. Typisch für Hölderlin beziehunsgweise Hyperion ist der jähe Wechsel von Leiden und Glücksempfinden, ein geradezu manisch-depressives Auf und Ab im schnellen Gang der Ereignisse - von insgesamt "bestürzender Intensität", hält "kru" fest. Bays Untersuchung widme sich insbesondere der spezifischen Struktur von Glück und Leid, bis in die kleinsten Verästelungen, so "kru", dabei gerate der Utopiebegriff ins Zentrum von Bays Beobachtungen. Hyperion entfessele eine utopische Dynamik, resümmiert "kru" Bays Interpretationsbemühungen, die auf mehr als Liebesglück abziele, nämlich auf eine insgesamt bessere Welt. Ach ja.
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