Friedhelm Decher

Besuch vom Mittagsdämon

Philosophie der Langeweile
zu Klampen Verlag, Lüneburg 2000
ISBN 9783924245931
Gebunden, 158 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Langeweile kann sich heutzutage niemand mehr leisten. Wer nicht unter Zeitnot leidet, ständig unterwegs und immerfort beschäftigt ist, scheint sein Daseinsrecht in dieser Gesellschaft verwirkt zu haben. Daher hat die Freizeitindustrie der Langeweile den Kampf angesagt: ein Vergnügen jagt das andere, immer neue Mittel zur Zerstreuung werden erfunden. Obwohl ganze Heerscharen damit beschäftigt sind, die Langeweile zu vertreiben, bleibt sie dennoch ständige Drohung. Friedhelm Decher zeigt in seinem philosophischen Essay, dass Langeweile keine Eigenheit der modernen Gesellschaft ist. Durch die ganze Geschichte läßt sich ihre Spur verfolgen und hat die hervorragendsten Geister der jeweiligen Epoche auf den Plan gerufen, um ihre Ursachen zu finden und auf Abhilfe zu sinnen - von Seneca über Pascal, Kant und Schopenhauer bis hin zu Russel. Deren Diagnose fällt zwar ähnlich aus, die Therapievorschläge aber unterscheiden sich drastisch.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2000

Hans-Albrecht Koch ist der Ansicht, dass es in der Tat ein probates Mittel gegen Langeweile gibt - zum Beispiel die Lektüre des vorliegenden Buchs. Offenbar hat der Rezensent eine Menge gelernt, jedenfalls referiert er eifrig, was Galiani, Schopenhauer, Kant, Blaise Pascal und andere über die Langeweile zu sagen hatten. Das scheint unterhaltsam zu sein, wie Koch mit mehreren Beispielen zu suggerieren weiß. Nur: ob die "Therapievorschläge" der berühmten Köpfe auch Erfolg beim Kampf gegen die Langeweile nach sich ziehen - daran äußert der Rezensent dann doch einige Zweifel. Aber egal. Schließlich bleibt ja auch die Möglichkeit, sich Giacomo Leopardi anzuschließen, der die Langeweile ohnehin als "Leidenschaft sui generis" betrachtet hat, so Koch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.07.2000

Elisabeth von Thadden ist begeistert von diesem Buch. Die Philosophen, die der Autor für seine Studie über die Langeweile heranziehe, seien keine "Ansammlung von schlecht Gelaunten", sondern hochrangige Denker, die das ach so menschliche Problem von philosophischer Seite in den Griff zu bekommen versuchten. Herausgekommen sei ein "zierlicher Band ganz ohne Trara" und gar nicht langweilig, schwärmt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.07.2000

Beat Mazenauer findet zwar die verschiedenen Äußerungen von Philosophen zur Langeweile durchaus "interessant und anregend nachzulesen". Allerdings scheint er letztlich doch ein wenig enttäuscht, dass Philosophen sich - abgesehen von Heidegger -offenbar kaum wirklich eingehend mit diesem Thema beschäftigt haben. Und so kann man zwar nachlesen, was für Rezepte die Geistesgrößen gegen Langeweile parat hatten (Kant schwörte auf "Spielen, Rauchen oder das Lesen von Liebesromanen" oder Reisen, was Seneca wiederum für untauglich hielt). Letztlich ist die Langeweile, wie der Rezensent feststellt, doch eher etwas, das auch unter psychologischer Hinsicht untersucht werden müsse. Da dies aber nicht das Thema des Buchs ist, bleiben viele Fragen "nach den sozialen und individuellen Erscheinungsformen der Langeweile unterbelichtet", so das Fazit des Rezensenten.
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